Konkurrenten legen bitteres Pogacar-Geständnis ab

Bei der Tour de Suisse hat Tadej Pogacar einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er der Mann ist, den es zu schlagen gilt. Zwei Konkurrenten haben den Slowenen in der Schweiz ganz genau unter die Lupe nehmen können – und konnten kaum glauben, was sie sahen.

Die beiden niederländischen Radprofis Koen Bouwman (Jayco AlUla) und Sam Oomen (Lidl-Trek) haben der Konkurrenz von Tadej Pogacar nur wenig Hoffnungen auf einen Einbruch des Slowenen bei der anstehenden Tour de France gemacht. In welcher Verfassung sich der UAE-Kapitän bei der vergangenen Tour de Suisse präsentierte, hat sie regelrecht schockiert.

„Ein Team, vor allem ein Fahrer, steht so weit über dem Rest, dass man es kaum begreifen kann, wie hart er fährt. […] Ich weiß nicht, ob Ernüchterung das richtige Wort ist, aber es ist das erste Wort, das mir dazu einfällt“, staunte Oomen im „In het Peloton“-Podcast über die Leistungsfähigkeit Pogacars.

Der Niederländer weiter: „An einem Tag habe ich oft gehört, dass viele Fahrer sich gegenseitig gesagt haben: ‚So etwas habe ich noch nie erlebt‘.“

Bouwman versuchte derweil, die Überlegenheit des Slowenen mit einem greifbaren Beispiel zu erklären. „Jeder regionale Radklub hat ein lokales Sommerrennen. In meiner Gegend gibt es auch eins. Dort fahre ich gegen Amateure, die Landschaftsgärtner sind und von 7 Uhr morgens bis 17 Uhr abends Fliesen verlegen oder Bäume fällen.“

Obwohl er vor dem Rennen gegen die Amateure meist schon drei bis vier Stunden im Sattel gesessen hat, „kann ich sie abhängen, wenn ich will“. Genau dieses Gefühl müsse auch Pogacar in den ProTour-Rennen haben, mutmaßte Bouwman.

„Ich glaube wirklich, dass der Unterschied zwischen den Amateuren und mir genauso groß ist wie der Unterschied zwischen Pogacar und mir“, stellte er ernüchtert fest. „Der Unterschied ist so unglaublich, dass man es nicht mal beschreiben kann.“

Radsport-Superstar verpasst die Tour de France

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt: Radsport-Star Wout van Aert verpasst die Tour de France.

Wout van Aert kann bei der diesjährigen Tour de France (4. bis 26. Juli) nicht an den Start gehen. Wie das Team Visma-Lease a bike zweieinhalb Wochen vor dem Start mitteilte, laboriert der Belgier weiter an einer Ellbogenverletzung und wird nicht rechtzeitig fit.

„Das ist natürlich eine riesige Enttäuschung“, wird van Aert zitiert: „Die Tour de France ist eines meiner Hauptziele in jedem Jahr. Gemeinsam mit dem Team sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es nicht möglich ist, in Topform in die Tour zu starten. Mein Fokus liegt nun auf meiner Genesung, damit ich im späteren Saisonverlauf zurückkehren kann.“

Marc Reef, Nachfolger von Grischa Niermann als Head of Racing beim niederländischen Rennstall, sagte: „Wout ist einer unserer wichtigsten Fahrer im Team. Wir hätten ihn gerne bei der Tour dabei gehabt. Wir haben uns alle Optionen angesehen, aber am Ende kommt die Gesundheit an erster Stelle.“

Zuvor war bekannt geworden, dass van Aert am Montag nicht mit dem Rest des Teams zum Höhentrainingslager nach Tignes anreisen konnte. Dies gilt als wichtiger Baustein für die Tour de France.

Van Aert, einer der wichtigsten Helfer von Superstar Jonas Vingegaard, hatte sich die Verletzung bei einem Trainingssturz vor der Tour Auvergne Rhone-Alpes zugezogen. Dennoch ging der Paris-Roubaix-Sieger beim Klassiker an den Start. Dort infizierte sich die Wunde am Ellbogen jedoch, das Mannschaftszeitfahren bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes verschlimmerte die Blessur zusätzlich.

„Sporza“ berichtete unter Berufung auf van Aerts Manager Jef Van Den Bosch, man gehe tatsächlich davon aus, dass „die Reizung durch die Haltung am Zeitfahrlenker während des Mannschaftszeitfahrens verschlimmert wurde“. Zwar gewann er mit seinem Team die 3. Etappe und ließ sogar zwei Tage später einen Etappensieg folgen, aufgrund der Infektion ging Wout van Aert danach aber nicht mehr wie geplant an den Start.

„Wir wussten bereits, dass er nicht mehr viel Spielraum hatte“, zitiert „Het Nieuwsblad“ Teammanager Maarten Wynants: „Er war schon unter seinen Möglichkeiten, und das wird ihm sicherlich nicht helfen. Am wichtigsten ist, dass er erst einmal wieder gesund wird.“ Klar ist nun: Für das große Saison-Highlight reicht die Zeit nicht.

Lipowitz mit deutlichen Worten zu Pogacar

Bei der Tour de France ruhen die deutschen Hoffnungen auf Shootingstar Florian Lipowitz. Der 25-Jährige will beim Radsport-Highlight einen neuen Anlauf starten, Dominator Tadej Pogacar in Bedrängnis zu bringen. Noch sieht er den Slowenen allerdings ein gutes Stück voraus.

„Er ist einfach ein Allrounder. Er ist schnellkräftig, stark an langen Anstiegen. Es gab lange keinen Tour-de-France-Sieger mehr, der gleichzeitig die Klassiker so stark fahren kann. Er hat kaum Schwächen“, schwärmte Lipowitz im „SID“-Interview von Tadej Pogacar.

Dennoch sieht der Deutsche unter gewissen Umständen eine Chance: „Vielleicht ist das Einzige, seine Attacken am Berg zu überstehen und wieder an sein Hinterrad zu kommen.“

Dafür brauche man freilich „die gleichen Beine wie Pogacar – und ich glaube, da ist er aktuell jedem noch ein oder zwei Schritte voraus.“

In rund vier Wochen wird die Tour de France mit dem Grand Départ in Barcelona und damit die Jagd nach dem Gelben Trikot eröffnet – mit Lipowitz im erweiterten Favoritenkreis.

Ob es für den Vorjahresdritten wieder für einen Podestplatz reicht, hängt auch von der Konkurrenz ab. Der Deutsche hat ein vielversprechendes Frühjahr hinter sich, bei drei einwöchigen Rundfahrten erzielte er Top-3-Ergebnisse. Zur Wahrheit gehört indes: Gewonnen hat er keine.

„Wenn man die Rennen dieses Jahr anschaut, gibt es drei Fahrer, die definitiv besser waren“, räumte Lipowitz ein. Jedem der drei Hauptrivalen Pogacar (Tour de Romandie), Jonas Vingegaard (Katalonien-Rundfahrt) und Paul Seixas (Baskenland-Rundfahrt) musste er sich geschlagen geben.

Umso motivierter ist Lipowitz, es bei der anstehenden Tour (noch) besser zu machen. „Ich glaube, dass ich als Fahrer dieses Jahr reifer bin und besser mit dem Druck umgehen kann“, hob er hervor.

Auffällig: Der Shootingstar vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe tritt mit spürbar gewachsenem Selbstvertrauen auf. Nicht mehr der Underdog zu sein, scheint Lipowitz keineswegs zu hemmen.

Ausreißer schlägt Sprinterteams bei Giro ein Schnippchen

Fredrik Dversnes hat beim Giro d’Italia die 15. Etappe in Mailand als Ausreißer gewonnen. Der Norweger siegte nach 157 Kilometern auf dem Corso Venezia im Sprint einer vierköpfigen Ausreißergruppe vor den Italienern Mirco Maestri und Martin Marcellusi. Das heranrasende Hauptfeld konnte die Gruppe auf der Zielgeraden nicht mehr einholen. Sprinter Jonathan Milan vom deutschen Lidl-Team muss weiter auf seinen ersehnten Etappensieg warten. Ein deutscher Fahrer schaffte es nicht auf einen der ersten zehn Plätze.

Topfavorit Jonas Vingegaard verteidigte das Rosa Trikot des Gesamtführenden, das er sich am Samstag in den Alpen geholt hatte, auf dem flachen 15. Teilstück ohne Probleme. Hinter dem Dänen liegen weiter der zuvor Führende Afonso Eulálio aus Portugal (2:26 Minuten Rückstand) und der Österreicher Felix Gall (2:50).

Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad fand sich kurz nach dem Start in Voghera die Ausreißergruppe. Auf dem Weg durch die Lombardei ließen die Sprinterteams sie gewähren, hielten den Abstand aber stabil bei gut zwei Minuten.

Zum Abschluss stand bei hohem Tempo viermal ein Rundkurs in der Mode-Metropole an. Mit der letzten echten Kurve zwei Kilometer vor dem Ziel war eigentlich alles für den Sprint Royal angerichtet. Aber das Peloton verschätzte sich und konnte die Ausreißer nicht mehr stellen.

Vingegaard will beim Giro nach der Tour de France und der Vuelta auch die dritte der drei großen Rundfahrten des Radsports gewinnen. Für den Dänen und seine Konkurrenten ging es am Pfingstsonntag vor allen Dingen darum, ohne Sturz ins Ziel zu kommen.

Nach dem zweiten Ruhetag wartet am Dienstag eine Bergankunft in der Schweiz auf die Fahrer. Die Rundfahrt endet am 31. Mai in Rom.

Kritik und Zweifel an Vingegaard nach Zeitfahr-Klatsche

Nach zehn von 21 Etappen ist Radsport-Superstar Jonas Vingegaard auf bestem Wege, seinen ersten Giro d’Italia zu gewinnen. Trotzdem gibt es Kritik an seiner Vorstellung und Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit.

Die Vorstellung von Jonas Vingegaard beim diesjährigen Giro d’Italia hat bei einigen Experten und früheren Profis Fragezeichen aufgeworfen. Zwar gewann der Däne bereits zwei Bergetappen und unterstrich damit seinen Favoritenstatus, doch besonders sein Auftritt im Einzelzeitfahren auf dem zehnten Tagesabschnitt bereitet so manchem Beobachter Kopfzerbrechen.

„Ich habe mehr von ihm erwartet“, urteilte etwa der frühere britische Tour-de-France-Sieger Geraint Thomas im „Watts Occurring“-Podcast, nachdem Vingegaard im Zeitfahren drei Minuten auf Tagessieger Filippo Ganna verloren hatte und nur 13. geworden war.

Thomas‘ Vermutung: Der dänische Superstar ist womöglich nicht in Vollbesitz seiner Kräfte. „Vielleicht ist er krank oder so was. Versteht mich nicht falsch, er hat auch in den Bergen alle Gegner zerstört und zwei Etappen gewonnen. Aber bei den Standards, die er gemeinsam mit Pogacar gesetzt hat, hätte ich erwartet, dass sein Vorsprung [auf der 9. Etappe] auf Felix Gall größer gewesen wäre.“

Laut Thomas fühle es sich einfach so an, als ob der Vorsprung von Vingegaard auf den Rest der Fahrer nicht mehr so groß wie in der Vergangenheit ist. „Auf diesen Bergetappen geht es viel enger zu“, urteilte der ehemalige Profi.

Gleichwohl dürfe man aber auch nicht vergessen, dass der Visma-Kapitän noch immer die mit Abstand besten Karten auf den Gesamtsieg habe. „Er ist immer noch in einer sehr starken Position. Ein Teil von mir glaubt, dass er nicht bei 100 Prozent war. Oder vielleicht hatte er auch nur einen schlechten Tag“, sagte Thomas mit Blick auf die Zeitfahr-Klatsche des Dänen.

Nach der neunten Etappe hatte sich auch der niederländische Ex-Profi Tom Dumoulin mit kritischen Worten über Vingegaard geäußert. Er warf dem Top-Favoriten auf dem schweren Teilstück nach Corno alle Scale zu viel Zurückhaltung und zu wenig Angriffslust vor, als sein Red-Bull-Kontrahent Giulio Pellizzari im Anstieg den Anschluss verlor.

 

Nächster Verletzungsschock im Pogacar-Team

Die schlechten Nachrichten bei Radsport-Topmannschaft UAE Team Emirates XRG reißen nicht ab: Nach dem Massencrash beim Giro d’Italia, in den unter anderem Adam Yates verwickelt war, gab man nun den Ausfall eines weiteren Fahrers bekannt.

Radsportprofi Filippo Baroncini muss in den kommenden Wochen sein Fahrrad an die Seite stellen. Der Italiener war am Sonntag beim französischen Eintagesrennen Tro-Bro León gestürzt und fällt nun auf unbestimmte Zeit aus.

„Leider war Filippo Baroncini bei Tro-Bro León in einen Unfall verwickelt und erlitt womöglich eine Verletzung des linken Schlüsselbeins. Er wird morgen in Brüssel eine chirurgische Untersuchung durchführen, bevor er nach Hause reist, um die Rehabilitation und Erholung unter der Aufsicht des medizinischen Teams zu beginnen“, teilte das Team anschließend mit.

Baroncini war erst im vergangenen August bei der Polen-Rundfahrt in einen schweren Crash verwickelt gewesen, als er mit einer Mauer kollidierte. Der 25-Jährige musste anschließend sogar in ein künstliches Koma versetzt werden. Glücklicherweise waren keine vitalen Organe verletzt, sodass er einige Wochen später aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.

Die Saison 2026 hatte der Italiener, der seit 2024 im Team von Superstar Tadej Pogacar fährt, mit der Katalonien-Rundfahrt begonnen. Später ging er bei den Klassikern wie dem Amstel Gold Race und Frankfurt-Eschborn an den Start.

UAE Team Emirates XRG hatte zuletzt auch beim Giro d’Italia einige Schocknachrichten zu verdauen. Auf der zweiten Etappe landete fast das gesamte Team bei hoher Geschwindigkeit im Straßengraben, Marc Soler zog sich einen Beckenbruch zu, Jay Vine eine Ellenbogenfraktur.

Mitfavorit Adam Yates – gezeichnet von schweren Schürfwunden – konnte die Etappe zwar noch zu Ende fahren, die anschließende Etappe konnte er nach der medizinischen Untersuchung aber nicht beginnen. „Was für ein Desaster. Ich habe so hart gearbeitet, um für den Giro fit zu werden“, haderte Yates, dessen Zwillingsbruder Simon im Vorjahr die Italien-Rundfahrt gewonnen hatte.

Superstar Tadej Pogacar geht beim Giro d’Italia in diesem Jahr nicht an den Start.

Seixas „auf Augenhöhe“ mit Pogacar? Das sagt Jens Voigt

Seit Montag steht fest, dass Radsport-Wunderkind Paul Seixas an der Tour de France 2026 (4. bis 26. Juli) teilnehmen wird. Diese Entscheidung verkündete der erst 19-Jährige vom Team Decathlon – CMA CGM, nachdem er bei der Baskenland-Rundfahrt und beim Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich für Furore sorgte. Ex-Profi Jens Voigt trau dem Supertalent gleich einen Podestplatz zu.

„Er hat die Baskenland-Rundfahrt souverän gewonnen und war bei Lüttich-Bastogne-Lüttich knapp hinter Pogacar Zweiter. Daher macht es Sinn, ihn dahinzuschicken“, kommentierte der „Eurosport“-Experte die Entscheidung von Paul Seixas, sein Debüt bei der Tour de France zu feiern. Vor diesem hatten ihn einige andere Ex-Profis zuletzt noch eindringlich gewarnt.

Voigt ist sich sicher, dass der Franzose in seiner Heimat gleich ein Wörtchen in der Gesamtwertung mitreden kann. „Er ist so stark und man muss zweifelsohne sagen, dass Paul das Potenzial hat, bei der Tour aufs Podium zu fahren. Er ist jung und unverbraucht“, legt sich der 17-malige Tour-Teilnehmer fest, der den Youngster allerdings davon warnt, bei seinem Debüt zu viel zu wollen.

Der 19-Jährige solle bei der Frankreich-Rundfahrt insbesondere darauf achten „was Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard machen“, so der 54-Jährige, der ausführte: „Wie fahren die, wann attackieren die, wie gestalten die das Rennen und wie setzen die ihre Mannschaftskollegen ein? Daraus sollte Seixas lernen, wie er das genauso oder vielleicht sogar besser machen kann.“

Der 19-Jährige solle bei der Frankreich-Rundfahrt insbesondere darauf achten „was Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard machen“, so der 54-Jährige, der ausführte: „Wie fahren die, wann attackieren die, wie gestalten die das Rennen und wie setzen die ihre Mannschaftskollegen ein? Daraus sollte Seixas lernen, wie er das genauso oder vielleicht sogar besser machen kann.“

Pogacar mit Mega-Lob für Radsport-Wunderkind

Der nächste Triumph von Tadej Pogacar sorgte am Sonntag nicht nur sportlich für Schlagzeilen, sondern auch wegen einer klaren Ansage zur Zukunft des Radsports.

Nach seinem vierten Sieg beim Radsport-Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich richtete der Weltmeister den Blick auf seinen jungen Rivalen Paul Seixas, der ihm in Belgien einen heißen Fight geliefert hatte.

Der erst 19-Jährige hatte als einziger Fahrer Pogacars entscheidender Attacke an der legendären Côte de la Redoute folgen können. Erst am letzten Anstieg musste er abreißen lassen, sicherte sich aber einen sensationellen zweiten Platz, nur 45 Sekunden hinter dem aktuellen Radsport-Dominator.

Für Pogacar ist klar: Hier wächst etwas Großes heran. „Wir werden weiter hart arbeiten, in den nächsten Jahren so viel wie möglich zu gewinnen, bis er alle zerstört“, erklärte der Slowene nach dem Rennen in Richtung des jungen Franzosen.

Besonders beeindruckt zeigte sich der vierfache Tour-de-France-Sieger von der Reife des Talents: „Dass Paul bereits mit 19 Jahren in einem so großen Feld auf so hohem Niveau mithalten kann, motiviert alle anderen, weiter daran zu arbeiten, sich zu verbessern.“

Trotz seines klaren Sieges sieht Pogacar in Seixas bereits einen kommenden Herausforderer. Mit Blick auf die körperliche Entwicklung erklärte er: „Normalerweise ist der Körper physisch zwischen 26 und 30 Jahren in Bestform.“ Pogacar stellt also die These auf, dass der Youngster noch lange nicht an seinem Leistungsmaximum angekommen ist.

Auch Seixas selbst zeigte sich nach dem Rennen selbstkritisch und voller Respekt für Superstar Pogacar: „Das ist offensichtlich. Ich muss mich einfach verbessern, aber wir sehen ja, auf welchem Niveau er ist – es ist extrem schwer, ihm zu folgen. Er ist der größte Fahrer der Geschichte.“

Ob es schon bald zum großen Duell bei der Tour de France kommt, ist noch offen. Während Pogacar seinen fünften Gesamtsieg anpeilt, steht ein Debüt von Seixas noch zur Diskussion.

Pogacar verblüfft Ex-Profi: „Da sieht man den Unterschied“

Obwohl Tadej Pogacar bei Paris-Roubaix eine seiner seltenen Niederlagen kassierte, zeigte der Slowene erneut, dass er auch den Kopfstein-Klassiker gewinnen kann – wie auch jedes andere Rennen, an dem er teilnimmt. Ein ehemaliger französischer Radsport-Held ist überzeugt: Der viermalige Tour-de-France-Sieger ist der beste Fahrer, den die Welt je gesehen hat.

Arnaud Démare weiß ganz genau, was es braucht, um bei Paris-Roubaix ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. 2016 gewann der heute 34-Jährige den Klassiker, zwei Jahre später kam er zudem als Dritter im Velodrom über die Linie. Damit hat er Tadej Pogacar etwas voraus, denn der Slowene wurde bei seinen bisherigen zwei Teilnahmen jeweils „nur“ Zweiter.

Allein, dass sich Pogacar der Herausforderung in der „Hölle des Nordens“ stellt, nötigt Démare allerdings schon großen Respekt ab. „Dem Kerl wird so langweilig, dass er sich selbst sagt: ‚Hey, ich starte bei Roubaix, weil ich neue Herausforderungen brauche.‘ Er muss sich selbst herausfordern“, sagte der ehemalige Profi im „RMC Sport“-Interview.

Der Sieg Pogacars bei Paris-Roubaix, davon ist Démare überzeugt, ist nur eine Frage der Zeit. „Was er schon jetzt geschafft hat, ist gigantisch. An irgendeinem Punkt wird er auch das endlich abhaken“, versicherte der Franzose, der beim besten Fahrer der Neuzeit keine bzw. nur eine kleine Schwäche erkennt.

„Er ist so stark, dass er in jedem Bereich gut ist, obwohl er im Sprint von Wout van Aert geschlagen wurde. Ihm fehlt der Punch eines Sprinters, wenn man überhaupt sagen kann, dass ihm was fehlt“, sieht Démare zumindest dort noch Raum für Verbesserungen bei Pogacar.

Das, so gab der Franzose zu, ist jedoch Kritik auf allerhöchstem Niveau. „Ich denke, dass Pogacar der beste Radsportler der Geschichte ist“, verneigte er sich vor dem viermaligen Tour-Sieger. Zu sehen sei dies in den Rennen immer wieder. „Man fährt Vollgas und denkt darüber nach, wie man sich für einen Anstieg positionieren sollte und er ist komplett entspannt. In diesem Momenten versteht man den Unterschied.“

Dass Pogacars Dominanz eine Schattenseite hat, findet allerdings auch Démare. „Es gibt Momente, in denen man schon weiß, wie es enden wird. Das verändert die Art und Weise, wie die Menschen zuschauen.“ Auch die anderen Fahrer haben dieses Gefühl, so der Ex-Profi: „Wenn er am Start steht, fährt man oft nur um den zweiten Platz.“

Fahrer packt aus: So brutal ist Paris-Roubaix wirklich

Radprofi Benjamin Thomas erlebte in der Hölle des Nordens sein blaues Wunder. Der Bahnrad-Olympiasieger ging am Wochenende erstmals bei Paris-Roubaix an den Start. Die Strecke kannte er nicht. Was er erlebte, hatte er so nicht für möglich gehalten.

Für Benjamin Thomas endete seine erste Paris-Roubaix-Teilnahme immerhin mit einem kleinen Erfolgserlebnis: Anders als 36 andere Fahrer, kam er im Ziel an. Dass er am Ende einen Rückstand von über 24 Minuten auf Sieger Wout van Aert hatte und dem Besenwagen nur knapp entkam, spielte für den 30-jährigen Franzosen nur eine Nebenrolle.

Was das Rennen für ihn so schwierig machte: Er wurde von seinem Team ins kalte Wasser geworfen. Weil andere Cofidis-Fahrer ihren Start absagen musste, rückte Thomas nach. „Ich kannte keinen der Kopfsteinpflaster-Abschnitte und habe nicht mal die Streckenbesichtigung gemacht“, verriet er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „AFP“.

Alles, was er hatte, waren die Ratschläge seine Teamkollegen. „Sie haben mir gesagt: Bleib in der Mitte der Kopfsteinpflaster und lass zwei Meter Sicherheitsabstand nach vorne.“ Das beherzigte er auch, leichter wurde das Rennen für den Bahnrad-Olympiasieger von Paris dadurch aber nicht.

Zwei Mal habe er sein Glück mit einer Attacke versucht, sagte der 30-Jährige: „Aber das Rennen war so schnell, dass es fast unmöglich war, aus dem Peloton rauszukommen.“ Spätestens mit Beginn der ersten Kopfsteinpflaster-Passage war der Debütant dann endgültig aufgeschmissen. Die legendäre Passage in Arenberg habe ihm dann regelrecht Angst eingejagt.

„Als ich den Zustand gesehen habe, dachte ich: Wie kommen Räder hier in einem Stück raus? Ich hatte das Gefühl, mein Rad würde in zwei Teile zerbrechen. Alle zwei Meter gab es einen Krater. Es gibt nicht einen Kopfstein, der gerade ist. Es ist ein Mienenfeld“, gab er zu, durchaus Panik gehabt zu haben.

Letztlich haben er und die anderen Fahrer sogar noch Glück gehabt, denn am Sonntag war es immerhin trocken: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn es regnet.“