Auch ohne Messi-Tor: Argentinien ringt die Schweiz nieder

Lionel Messis grandiose Tor-Serie ist beendet – aber der Titel-Traum lebt: Argentinien hat auch ohne einen weiteren Geniestreich seines Superstars das Halbfinale der Fußball-WM erreicht.

Der Titelverteidiger setzte sich im Viertelfinale gegen die Schweiz mit 3:1 (1:1, 1:0) nach Verlängerung durch, obwohl Kapitän Messi nach neun WM-Spielen in Serie mit mindestens einem eigenen Treffer erstmals wieder ohne Tor blieb.

Für die Entscheidung sorgten Julián Álvarez mit einem Traumtor (112. Minute) und Lautaro Martínez nach einem Konter (120.+1). Der 39-jährige Messi hatte im Football-Tempel der Kansas City Chiefs das 1:0 durch Alexis Mac Allister (10.) per Eckball vorbereitet. Dan Ndoye erzielte vor 69.045 Zuschauern den zwischenzeitlichen Ausgleich (67.).

In der 72. Minute sah Breel Embolo nach einer Schwalbe und einem VAR-Einsatz die Gelb-Rote Karte. Die Verwarnung für Argentiniens Leandro Paredes wurde zurückgenommen und der Schweizer vom Platz gestellt. Der frühere Schalker und Gladbacher vergoss Tränen, musste von den Kollegen getröstet werden.

In der Runde der besten Vier wartet auf die Argentinier am Mittwoch in Atlanta England als Gegner. Die Three Lions hatten zuvor Norwegen mit 2:1 nach Verlängerung besiegt. Für die Schweiz war schon das erstmalige Erreichen des Viertelfinals seit der Heim-WM 1954 ein großer Erfolg.

Nach zwei Zitter-Siegen in den ersten beiden K.-o.-Runden gegen die Außenseiter Kap Verde und Ägypten hatte Argentinien wieder viel Mühe. Messi kam zum 15. Mal in einem K.-o.-Spiel bei Weltmeisterschaften zum Einsatz und überflügelte den deutschen Ex-Weltmeister und Ex-WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose auch in dieser Statistik.

Im 100. Spiel dieser XXL-WM erwischten die Schweizer eigentlich einen guten Start. Nachdem sie aber zwei, drei gute Angriffe ungenutzt gelassen hatten, schlug der Weltmeister eiskalt zu: Nach einem Eckball von Messi köpfte Mac Allister den Ball unhaltbar für den Schweizer Torwart Gregor Kobel ins Netz. Die vielen argentinischen Fans auf den Tribünen feierten den Treffer frenetisch.

Manche Fans hatten sich Sorgen gemacht, Messi könnte angesichts der Belastungen in seinem sechsten Spiel dieser WM körperliche Probleme bekommen. „Er ist fit“, hatte Trainer Lionel Scaloni schon vor dem Spiel gesagt. Messi würde auch nicht weniger rennen als zuvor: „Es ist wie immer, er ist immer bereit und das Team unterstützt ihn sehr.“

Enthüllt: Tuchel zögerte bei Kane-Transfer zum FC Bayern

Mit der Verpflichtung von Harry Kane gelang dem FC Bayern im Sommer 2023 ein echter Transfer-Volltreffer. Der damalige FCB-Trainer Thomas Tuchel erklärte vor wenigen Tagen, dass es in der Münchner Chefetage zuvor Zweifel an dem Deal gegeben habe. Das entspricht aber offenbar nicht den Tatsachen.

Haben sich Teile von Bayerns Chefetage im Vorfeld des Kane-Deals gegen eine Verpflichtung des Stürmers ausgesprochen? Genau das hatte Thomas Tuchel vor einigen Tagen behauptet. „Ich bin immer noch froh, dass ich dafür gekämpft habe, ihn zum FC Bayern München zu holen – gegen einige andere Meinungen“, sagte Englands Nationalcoach nach dem erfolgreichen WM-Achtelfinale gegen Mexiko (3:2).

Bayern-Insider und „Bild“-Fußballchef Christian Falk berichtet nun jedoch, dass Tuchels Aussage nicht der Wahrheit entspricht. Im Gegenteil: Laut seiner Aussage war es Tuchel, der dem Transfer zunächst zögerlich gegenüberstand. An der Säbener Straße sei man von den Worten des englischen Trainers daher auch überrascht worden.

„Was ich sagen kann – und das ist zu 100 Prozent die Wahrheit – ist, dass Bayern schon an diesem Deal gearbeitet hat, bevor Tuchel in den Verein gekommen ist. […] Es gab sogar ein geheimes Treffen, als Julian Nagelsmann noch der Trainer war. Bayern hatte samstags gegen Bayer Leverkusen verloren, was zu der Entscheidung geführt hat, am Montag darauf mit Tuchel zu reden“, erklärte Falk gegenüber „cfbayerninsider“.

Nur einen Tag später habe es dann erneut ein Treffen der Bayern-Verantwortlichen mit Tuchel gegeben. Dabei wurde dann laut Falk auch über Transfers gesprochen, unter anderem den von Harry Kane. „Sie [die FCB-Bosse] haben klar gesagt, dass sie es auf Harry Kane abgesehen haben. Und sie haben gefragt, ob er [Tuchel] damit einverstanden ist“, schilderte der Insider.

Tuchel hat den Deal laut Falk anschließend nicht direkt durchgewunken, sondern sich noch ein paar Tage Bedenkzeit erbeten. „Nach zwei Tagen kam er [Tuchel] in eine Sitzung und hat gesagt, dass auch er Kane will.“ Meinungsverschiedenheiten in Bayerns Chefetage, was Kane betrifft, hat es demnach zu keiner Zeit gegeben. Deswegen seien Tuchels Aussagen auch „etwas seltsam“ gewesen, urteilte der Journalist.

Marokko zu abgezockt: Kanadas WM-Traum geplatzt

Marokko hat Co-Gastgeber Kanada aus dem Turnier geworfen und steht als erstes Team im Viertelfinale der Fußball-WM. Die Auswahl von Nationaltrainer Mohamed Ouahbi hatte beim 3:0 (0:0) in Houston allerdings mehr Mühe als erwartet.

Azzedine Ounahi traf nach einer schwachen ersten Halbzeit zweimal (50. und 82. Minute). Soufiane Rahimi ließ Marokko in der Nachspielzeit noch einmal jubeln (90.+8).

Nach Platz vier bei der WM 2022 wartet auf Marokko nun im Viertelfinale entweder der große Favorit Frankreich oder Deutschland-Bezwinger Paraguay.

Offen ist, ob Bayern-Neuzugang Ismael Saibari dann wieder mitspielen kann – der Offensivstar musste verletzungsbedingt bereits in der 22. Minute ausgewechselt werden.

Für Kanada endet dagegen das Turnier – das Team von Jesse Marsch verabschiedet sich aber immerhin mit dem Erfolg, dank der ersten WM-Punkte überhaupt so weit gekommen zu sein wie noch nie.

„Wir waren die bessere Mannschaft. Aber sie haben ein paar Tore erzielt“, resümierte Marsch. „Sie haben ein bisschen mehr Qualität im letzten Drittel – und uns hat es dort gefehlt.“ Es sei ein Privileg für die Fans, „so ein tolles Team“ zu sehen. „Wir liegen jetzt am Boden, aber ich könnte nicht stolzer sein.“

Auf der Tribüne half auch die Anfeuerung von Eishockey-Ikone Wayne Gretzky als einer der 68.777 Zuschauerinnen und Zuschauer am Ende nichts.

Für die kanadische Auswahl und die Fans war die Reise nach Houston allein schon wegen des Datums besonders. Der große Nachbar USA, der unter Präsident Donald Trump eher schwierige Beziehungen zu Kanada pflegt, feierte am Samstag landesweit 250 Jahre Unabhängigkeit. Auch im und rund um das Stadion im patriotischen Bundesstaat Texas waren zahlreiche US-Fahnen und -Trikots zu sehen. Die USA selbst hatten an ihrem „Independence Day“ spielfrei.

Ägypten bucht historisches WM-Achtelfinale vom Punkt

Mo Salah und Kollegen nervenstark im Elfmeterkrimi: Ägypten hat einen historischen Erfolg gefeiert und nach dem ersten K.o.-Sieg seiner WM-Geschichte das Achtelfinale erreicht.

Der siebenmalige Afrikameister von Trainer Hossam Hassan gewann am Freitag das Sechzehntelfinale gegen Australien mit 4:2 nach Elfmeterschießen (1:1, 1:1) und löste das Ticket für die Runde der besten 16 Mannschaften. Dort dürfte es am kommenden Dienstag in Atlanta zum Duell mit Weltmeister Argentinien und Lionel Messi kommen.

Emam Ashour (13.) schoss das Tor für die „Pharaonen“ vor 70.244 Zuschauern. Mohamed Hany (55., Eigentor) hatte für den Ausgleich gesorgt und damit unfreiwillig einen Negativrekord aufgestellt: Zwei Eigentore bei einer WM hatte zuvor noch kein Spieler erzielt. Hany war schon im Spiel gegen Belgien (1:1) der Pechvogel. Hossam Abdelmaguid traf entscheidend vom Punkt.

Für die Socceroos, die mit dem Überstehen der Gruppenphase einen Hype in der Heimat ausgelöst hatten, erfüllte sich der Traum vom ersten Erfolg in der K.o.-Runde dagegen nicht.

Einen ersten Teilerfolg erzielte Ägypten schon vor dem Anpfiff: Kapitän Salah, der im Spiel gegen den Iran (1:1) mit einer Oberschenkelzerrung ausgewechselt worden war, meldete sich rechtzeitig fit und stand in der Startelf. Ein weiteres Tor, mit dem er zum ägyptischen Rekordtorschützen – dem heutigen Nationaltrainer Hassan (69 Tore) – aufgeschlossen hätte, gelang ihm aber nicht.

Ex-Bundesligaprofi Omar Marmoush spielte als Sturmspitze von Beginn an. Australien startete mit dem St.-Pauli-Duo Jackson Irvine und Connor Metcalfe.

Australien ließ sich zu Beginn in die eigene Hälfte zurückfallen, schaltete nach Ballgewinn aber blitzschnell um. Cristian Volpato verpasste den Traumstart knapp, der 22-Jährige scheiterte aus rund 25 Metern an der Latte (5.). Es folgte der frühe Schock: Nach einem Freistoß flankte Karim Hafez den Ball in den Strafraum, wo Ashour per Kopf vollendete – die im Vorfeld diskutierten Größenvorteile der Australier waren durch schlechtes Stellungsspiel ausgehebelt.

Haaland schießt Norwegen ins Achtelfinale gegen Brasilien

Erling Haaland zeigte mit Wikinger-Helm sein breitestes Lächeln, Kapitän Martin Ödegaard haute vor dem Fanblock auf eine Pauke und setzte den längst berühmten Ruder-Schlachtgesang in Gang. Überschwänglich hat Norwegen den ersten Einzug in ein WM-Achtelfinale seit 28 Jahren gefeiert. Bundesligaprofi Antonio Nusa mit einem Traumtor und Superstar Haaland mit einem ein später Treffer sorgten für einen 2:1 (1:0)-Sieg gegen die Elfenbeinküste in der ersten K.-o.-Runde.

Als Belohnung für den Erfolg darf Norwegen nun gegen Rekordweltmeister Brasilien am Sonntag (22 Uhr) um den Viertelfinal-Einzug spielen. Die Seleção hatte sich mit 2:1 gegen Japan durchgesetzt. Für Deutschlands Gruppengegner Elfenbeinküste war dagegen im ersten K.-o.-Spiel des Landes bei Weltmeisterschaften gleich Endstation.

Haaland, der im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich (1:4) geschont worden war, schien unbedingt etwas nachholen zu wollen. Schon in der dritten Minute war er mit einem Kopfball gefährlich. Danach war der Sturmriese in der ersten Halbzeit aber lange unsichtbar, weil seinen Teamkollegen bei Ballbesitz die Ideen fehlten.

Beim ersten richtig gut vorgetragenen Angriff Norwegens fiel der Führungstreffer: Initiiert von Spielmacher Ödegaard landete der Ball nach einigen Pässen bei Nusa, der seinen Gegenspieler trickreich stehen ließ und den Ball herrlich ins Tor schlenzte.

Danach war plötzlich auch Haaland wieder in Aktion zu sehen: Zuerst wurde sein etwas verunglückter Schuss aus Nahdistanz abgeblockt (42.). Und bei der anschließenden Ecke verpasste der Profi von Manchester City am langen Pfosten nach einer Kopfballverlängerung von Alexander Sörloth nur knapp das 2:0.

Nach dem Seitenwechsel erhöhte die Elfenbeinküste angesichts des Rückstands nochmal den Druck. In der 55. Minute scheiterte Pepe mit einem Schuss an Norwegens Keeper Örjan Nyland. Die Norweger, die nach der XXL-Rotation gegen Frankreich wieder in Bestbesetzung antraten, konzentrierten sich komplett auf die Tor-Verteidigung, auch Haaland half mitunter im eigenen Strafraum mit.

Gefahr kam fast nur noch nach Standards auf – so wie bei der Riesenchance für Heggem, bei dem Diallo reaktionsschnell auf der Linie rettete (67.). Jener Diallo war es dann, der wenig später auf der gegenüberliegenden Seite nach einer spektakulären Einzelleistung den Ausgleich erzielte. In der Schlussphase war aber dann Haaland zur Stelle und brachte sein Team eine Runde weiter.

Last-Minute-Drama! Österreich rettet sich in letzter Sekunde

Spektakel statt Langweiler: Mit dem vor dem Spiel von vielen erwarteten Unentschieden haben sich Österreich und Algerien ihren Platz im Sechzehntelfinale der Fußball-WM gesichert. In einer am Ende aber unerwartet dramatischen Partie in Kansas City trennten sich beide Teams 3:3 (1:1) und zogen damit in die K.o.-Runde ein.

Dort bekommt es Österreich nun mit Titelkandidat Spanien zu tun, Algerien hat mit der Schweiz den wohl leichteren Gegner erwischt. Und das, obwohl die Nordafrikaner die Vorrunde hinter Argentinien und Österreich nur auf Platz drei abschlossen.

Vor 69.045 Zuschauern trafen Marko Arnautovic (28. Minute), Marcel Sabitzer (55.) und Sasa Kalajdzic (90.+6) für Österreich. Rafik Belghali (45.) und Riyad Mahrez (60./90.+3) erzielten die Tore für Algerien.

Spektakel statt Langweiler: Mit dem vor dem Spiel von vielen erwarteten Unentschieden haben sich Österreich und Algerien ihren Platz im Sechzehntelfinale der Fußball-WM gesichert. In einer am Ende aber unerwartet dramatischen Partie in Kansas City trennten sich beide Teams 3:3 (1:1) und zogen damit in die K.o.-Runde ein.

Dort bekommt es Österreich nun mit Titelkandidat Spanien zu tun, Algerien hat mit der Schweiz den wohl leichteren Gegner erwischt. Und das, obwohl die Nordafrikaner die Vorrunde hinter Argentinien und Österreich nur auf Platz drei abschlossen.

Vor 69.045 Zuschauern trafen Marko Arnautovic (28. Minute), Marcel Sabitzer (55.) und Sasa Kalajdzic (90.+6) für Österreich. Rafik Belghali (45.) und Riyad Mahrez (60./90.+3) erzielten die Tore für Algerien.

44 Jahre später konnte von einer „Schande von Kansas“ nicht die Rede sein. Beide Mannschaften agierten von Beginn an mit viel Intensität. Vor allem die Algerier starteten energisch.

Doch mit der ersten guten Chance des Spiels ging Österreich in Führung. Nach einem langen Ball von David Alaba war Arnautovic plötzlich durch und stocherte den Ball an Algeriens Keeper Oussama Benbout vorbei ins Tor. Benbout hatte den Vorzug vor Luca Zidane bekommen. Der Sohn von Frankreichs Ex-Star Zinédine Zidane hatte bislang bei der WM nicht überzeugt.

Nun waren die Algerier gefordert, eine Niederlage hätte schließlich das Aus bedeutet. Und in der Tat drängten die Nordafrikaner auf den Ausgleich. Zunächst traf Farès Chaibi nur den Pfosten (40.), dann scheiterte Ibrahim Maza an Österreichs Torwart Alexander Schlager (44.). Kurz darauf war es dann aber so weit. Nachdem der Ball von der Eckfahne zurück ins Feld geprallt war, kam Belghali in Position und schloss nach feinem Solo wuchtig ab.

Ägypten verpasst Gruppensieg im „Pride Match“

Auf der Couch weiter, auf dem Platz gepatzt: Ägypten hat im von Spannungen begleiteten „Pride Match“ den Gruppensieg bei der Fußball-WM verpasst.

Die Mannschaft um Superstar Mohamed Salah kam in Seattle gegen den Iran nur zu einem 1:1 (1:1) – und darf trotzdem jubeln. Dass die „Pharaonen“ erstmals die Gruppenphase überstehen würden, war schon vor dem Anpfiff sicher gewesen. Die Iraner müssen als Tabellendritter bangen. Bitter: Ein iranischer Treffer in der Nachspielzeit wurde wegen einer knappen Abseitsposition aberkannt.

Mahmoud Saber (5.) erzielte das Tor für die Ägypter, die durch die vorherigen Ergebnisse schon vor Beginn der Partie für das Sechzehntelfinale planen konnten. Das Team von Trainer Hossam Hassan trifft als Gruppenzweiter nun am Freitag in Dallas auf Australien. Schon einmal hatte die Nation ein K.o.-Spiel bei einer WM bestritten, allerdings hatte das Turnier 1934 bereits mit dem Achtelfinale begonnen.

Der Treffer von Ramin Rezaeian (14.) reichte den Iranern derweil nicht, um sicher weiterzukommen. Als Dritter der Gruppe G muss sich die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei mit drei Punkten noch gedulden, ob es für den historischen Schritt in die K.o.-Phase gereicht hat.

Von dem Wirbel, der im Vorfeld geherrscht hatte, war dabei auf dem Feld nichts zu spüren. Die Veranstalter hatten das Spiel, noch bevor die Paarung festgestanden hatte, zum „Pride Match“ ausgerufen, da an diesem Wochenende die LGBTQI+-Community in der Stadt zum Feiern zusammenkommt. Nach der Auslosung war es deshalb zu Spannungen mit den beiden beteiligten Verbänden aus den muslimisch geprägten Ländern gekommen.

Der ägyptische Trainer Hassan hatte wie auch sein iranischer Amtskollege vorher betont, sich auf das zu fokussieren, was auf dem Platz geschehe. Dort ließ Saber die Ägypter, bei denen der ehemalige Frankfurter Omar Marmoush zunächst auf der Bank saß, in einer wilden Anfangsphase früh jubeln – wie auch Torhüter Mostafa Shoubeir wenig später: Der Keeper parierte einen schlecht platzierten Elfmeter von Mehdi Taremi (11.), der zuvor von Mohamed Abdelmonem im Strafraum unglücklich getroffen worden war. Bitter aus ägyptischer Sicht: Der Verursacher verletzte sich bei seiner Aktion, für den Verteidiger ging es nicht mehr weiter.

„Zu ängstlich“: Matthäus mit deutlichen Neuer-Worten

Für Manuel Neuer verläuft die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 bislang nicht nach Plan. Lothar Matthäus hat nach dem DFB-Patzer gegen Ecuador Kritik am deutschen Keeper geübt.

Neuer musste in der WM-Gruppenphase vier Mal hinter sich greifen. Groß auszeichnen konnte sich der Rückkehrer noch nicht. Nach der 1:2-Pleite gegen Ecuador wurde insbesondere über den zweiten Gegentreffer diskutiert.

Beim 1:2 habe Neuer „zu zaghaft“ agiert, analysierte Matthäus bei „Bild“.Der Rekord-Nationalspieler wollte die Schuld für das Eckball-Gegentor aber nicht allein auf den Keeper schieben. Matthäus zufolge hätte Angelo Stiller am zweiten Pfosten rausrücken müssen. „Er schaut zu, aber hebt das Abseits auf“, meinte der TV-Experte. „Neuer sieht ganz schlecht aus“, kritisierte Matthäus den 40-jährigen Schlussmann dennoch mit deutlichen Worten.

Der TV-Experte legte nach: „Kurz vorher hatte er schon ein Missverständnis mit Tah und geht da nur halbherzig hin. Tah spielt dann den Ball weg, das war auch eine Riesenchance für Ecuador. Also Sicherheit sieht ganz sicher anders aus.“

Neuer hat bereits jetzt so viele Gegentreffer kassiert wie beim WM-Triumph 2014. „Es waren natürlich wenig Möglichkeiten da, um seine Qualität zu zeigen, die er in den letzten Monaten beim FC Bayern gezeigt hat“, ordnete Matthäus ein.

„Natürlich fängt jetzt die Diskussion an, weshalb er beim zweiten Tor nicht energischer hingeht. Er war vielleicht auch überrascht. Er war zu ängstlich. Das ist nicht Manuel Neuer, wie wir ihn kennen“, legte der 65-Jährige nach dem deutschen Patzer gegen Ecuador den Finger in die Wunde.

„Jeder Torwart, der schon einmal gespielt hat, der weiß, dass ich mich so zu dem Ball hinstellen muss. Das ist wie, wenn ein Spieler zum Ball geht, und der eine, der kommt halt eine Fußspitze vor dem anderen dran. Ich schaue natürlich auf die Verlängerung, auf das, was vorn passiert“, argumentierte der Weltmeister von 2014.

Ex-Teamkollege Bastian Schweinsteiger verteidigte Neuer nach der Pleite. „Er wird für unser Spiel noch sehr, sehr wichtig sein“, legte sich der „ARD“-Experte fest.

 

WM-Verteidiger im Visier: FC Bayern winkt ab, BVB nun dran

Auch Bundesliga-Vizemeister Borussia Dortmund blickt dieser Tage gebannt in die USA, Mexiko und Kanada, um nach möglichen Verstärkungen Ausschau zu halten. Angeblich geht der Blick hin zu einem Abwehrspieler, der zwischenzeitlich auch beim FC Bayern gehandelt wurde.

Wie „Sport1“ berichtet, zeigt der BVB Interesse an einer Verpflichtung von Portugals Innenverteidiger Tomás Araujo. Mehr noch: Der Revierklub beschäftige sich „intensiv“ mit dem Profi von SL Benfica.

Während des ersten WM-Gruppenspiels der Iberer sollen sich auch Scouts von Borussia Dortmund unter den Zuschauern befunden haben. Beim überraschenden 1:1 gegen DR Kongo stand Araujo über die volle Spielzeit auf dem Rasen.

Wirklich konkret sei der Revierklub in der Personalie noch nicht geworden, heißt es beim TV-Sender. Ein erstes Angebot stehe noch aus.

Da der Abwehrspieler in Lissabon noch bis 2029 unter Vertrag steht, dürfte ein Transfer durchaus teuer werden. Die Ausstiegsklausel beträgt offenbar 80 Millionen Euro, sein Marktwert soll bei 30 Millionen Euro liegen.

Borussia Dortmund hatte sich im Frühjahr entschieden, den Vertrag mit Niklas Süle nicht zu verlängern. Wenig später verkündete der Ex-Nationalspieler sein Karriereende. Als Ersatz wurde bereits der gerade einmal 19 Jahre alte Joane Gadou von RB Salzburg unter Vertrag genommen. Die Schwarz-Gelben müssen dafür laut Medienberichten über 20 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Der 24 Jahre alte Tomás Araujo war unterdessen zuletzt mehrfach auch mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht worden. Laut Transfer-Reporter Ekrem Konur befinde er sich auf der „Shortlist“ des deutschen Rekordmeisters.

Laut „Bild“-Reporter Christian Falk zählt Araujo allerdings nicht zu Bayerns Transferkandidaten.

Der 1,87 Meter große Verteidiger stammt aus der Jugendabteilung von SL Benfica, im Frühjahr 2022 durfte er sein Ligadebüt geben. In der Saison 2022/23 war er an Ligakonkurrent Gil Vicente ausgeliehen, um Spielpraxis zu bekommen. Inzwischen steht Araújo bei 89 Partien in der Primeira Liga. Internationale Erfahrung sammelte er in bislang 23 Spielen in der Champions League.

Superjoker Undav schießt Deutschland in die K.o.-Runde

Alle herzten Super-Joker Deniz Undav. Die Teamkollegen und Bundestrainer Julian Nagelsmann fielen dem Doppeltorschützen um den Hals oder klatschten ihn ab.

Für die emotionale Siegesfeier nach dem 2:1 (0:1) gegen die Elfenbeinküste stürmten auch die TV-Experten und früheren Weltmeister Thomas Müller und Mats Hummels auf den Rasen in Toronto. Undav traf in der 68. Minute erst zum wichtigen Ausgleich – und in der sehr späten Nachspielzeit (90.+4) entfachte der 29-Jährige mit dem Siegtreffer große WM-Euphorie in der Heimat. „Jetzt einfach den Flow mitnehmen“, gab Undav im ZDF den Weg vor.

Um Mitternacht in Deutschland startete die Siegesparty, in Toronto war es da früher Abend. Nach dem ausgelassenen Miteinander im Kreis auf dem Rasen genossen die DFB-Stars um Topscorer Undav den Weg zu ihren Fans. „Er ist einfach ein Vollblutstürmer“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann im ZDF. „Er macht zwei super Tore.“

Nagelsmann hob „die Emotionalität“ des Erfolges hervor. „Die gesamte Gruppe hat sich den Sieg heute erarbeitet.“

Nach den Blamagen 2018 und 2022 erreichte die DFB-Elf erstmals seit dem Sommermärchen 2006 schon nach zwei Gruppenspielen die Alles-oder-Nichts-Phase. Wie bei dem Heimturnier vor 20 Jahren geht es wieder gegen Ecuador zum Abschluss der Gruppenphase nur noch um Platz eins. Der schien nach dem Rückstand schon verloren. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagte Undav.

Frank Kessié hatte WM-Rekordtorwart Manuel Neuer und die DFB-Auswahl vor 43.036 Zuschauern in Toronto mit seinem Tor in der 30. Minute geschockt. Nach großem Kampf und viel Einsatz, aber auch vielen Fehlern gegen die physisch enorm starken Ivorer gelang aber noch der elfte Sieg in Serie.

„Siegermentalität, Teamgeist. Ich glaube, genau das ist es, was man braucht, um in einem Turnier erfolgreich zu sein“, sagte Verteidiger Jonathan Tah im ZDF. „Deniz muss man heute hervorheben. Wie er reingekommen ist, ist überragend.“

Das ausgerufene Zwischenziel ist auch nach dem Sieg der Emotionen weiterhin nicht ganz sicher. Platz eins und der damit verbundene beste Weg in die Alles-oder-Nichts-Spiele in Boston und Philadelphia kann nun aber schon mit einem Remis gegen Ecuador gesichert werden. Jetzt warten auf Nagelsmann also intensive Tage im WM-Camp in Winston-Salem, bevor am Donnerstag im Endspiel-Stadion von East Rutherford die Gruppenphase perfekt abgeschlossen werden soll.