Kritik und Zweifel an Vingegaard nach Zeitfahr-Klatsche

Nach zehn von 21 Etappen ist Radsport-Superstar Jonas Vingegaard auf bestem Wege, seinen ersten Giro d’Italia zu gewinnen. Trotzdem gibt es Kritik an seiner Vorstellung und Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit.

Die Vorstellung von Jonas Vingegaard beim diesjährigen Giro d’Italia hat bei einigen Experten und früheren Profis Fragezeichen aufgeworfen. Zwar gewann der Däne bereits zwei Bergetappen und unterstrich damit seinen Favoritenstatus, doch besonders sein Auftritt im Einzelzeitfahren auf dem zehnten Tagesabschnitt bereitet so manchem Beobachter Kopfzerbrechen.

„Ich habe mehr von ihm erwartet“, urteilte etwa der frühere britische Tour-de-France-Sieger Geraint Thomas im „Watts Occurring“-Podcast, nachdem Vingegaard im Zeitfahren drei Minuten auf Tagessieger Filippo Ganna verloren hatte und nur 13. geworden war.

Thomas‘ Vermutung: Der dänische Superstar ist womöglich nicht in Vollbesitz seiner Kräfte. „Vielleicht ist er krank oder so was. Versteht mich nicht falsch, er hat auch in den Bergen alle Gegner zerstört und zwei Etappen gewonnen. Aber bei den Standards, die er gemeinsam mit Pogacar gesetzt hat, hätte ich erwartet, dass sein Vorsprung [auf der 9. Etappe] auf Felix Gall größer gewesen wäre.“

Laut Thomas fühle es sich einfach so an, als ob der Vorsprung von Vingegaard auf den Rest der Fahrer nicht mehr so groß wie in der Vergangenheit ist. „Auf diesen Bergetappen geht es viel enger zu“, urteilte der ehemalige Profi.

Gleichwohl dürfe man aber auch nicht vergessen, dass der Visma-Kapitän noch immer die mit Abstand besten Karten auf den Gesamtsieg habe. „Er ist immer noch in einer sehr starken Position. Ein Teil von mir glaubt, dass er nicht bei 100 Prozent war. Oder vielleicht hatte er auch nur einen schlechten Tag“, sagte Thomas mit Blick auf die Zeitfahr-Klatsche des Dänen.

Nach der neunten Etappe hatte sich auch der niederländische Ex-Profi Tom Dumoulin mit kritischen Worten über Vingegaard geäußert. Er warf dem Top-Favoriten auf dem schweren Teilstück nach Corno alle Scale zu viel Zurückhaltung und zu wenig Angriffslust vor, als sein Red-Bull-Kontrahent Giulio Pellizzari im Anstieg den Anschluss verlor.