Kontrahenten verbeugen sich vor Pogacars Dominanz

Tadej Pogacar dominiert die Vuelta a España nach Belieben. Selbst seine Konkurrenten scheinen sich mit seiner Überlegenheit abgefunden zu haben. Nach seiner beeindruckenden Solofahrt auf der vierten Etappe, gab es erneut eine Lobeshymne auf den Slowenen.

Oliver Naesen vom Team Decathlon erklärte gegenüber „Het Laatste Nieuws“, dass Pogacar inzwischen nicht mehr wie ein gewöhnlicher Rivale wahrgenommen werde.

„Das ist schwer zu erklären. Man muss es selbst erleben, um es zu verstehen. Dieser Typ ist so viel besser als der zweitbeste Fahrer im Radsport“, sagte der Belgier. „Jeder im Peloton respektiert das. Allen ist bewusst, wie außergewöhnlich sein Talent ist.“

Naesen glaubt sogar, dass Pogacars Dominanz die Mentalität im Feld verändert hat. Früher hätten Fahrer unter Druck gestanden, jede Attacke zu kontern. Heute sei das anders.

„Niemand schaut dich schief an, wenn du seine Attacke nicht mitgehen kannst. Es sagt nicht einmal mehr jemand etwas, wenn du es gar nicht erst versuchst. Zu glauben, man könne genauso gut sein wie er, wäre einfach dumm“, erklärte der 35-Jährige.

Trotz seiner Erfolge sei Pogacar menschlich geblieben. „Er ist unglaublich freundlich. Wenn ich ihm nach einem weiteren Sieg gratuliere, lenkt er das Gespräch sofort auf etwas anderes und fragt, wie es mir geht. Ich würde wahrscheinlich stundenlang über meinen Sieg reden – er macht das nicht“, erklärte der Belgier.

Beispiele dafür gibt es genug. Nach der zweiten Etappe der Vuelta bat ausgerechnet Kontrahent Wout van Aert Pogacar um eine Trinkflasche für seinen Sohn. Stattdessen schenkte ihm der Slowene sogar seine Sonnenbrille. Für Naesen ist das ein Zeichen dafür, welchen Status Pogacar inzwischen im Peloton genießt.

„Wenn du glaubst, mit jemandem noch auf Augenhöhe konkurrieren zu können, fragst du ihn nicht nach einem Autogramm oder seiner Sonnenbrille“, sagte Naesen. „Ich glaube nicht, dass Wout van Aert jemals Mathieu van der Poel nach dessen Sonnenbrille fragen würde. Bei Pogacar ist das anders, weil er nicht mehr als normaler Konkurrent gesehen wird. Er steht inzwischen über allen“, so der Belgier.

Pogacar überrascht mit ungewöhnlicher Vuelta-Vorbereitung

Am Montag kündigte Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar an, bei der diesjährigen Vuelta an den Start zu gehen. Der Radsport-Superstar überrascht nun mit einer ungewöhnlichen Vorbereitung auf die Spanien-Rundfahrt.

Zurück in seiner Heimat Slowenien verbrachte der Weltmeister zunächst Zeit in seinem Geburtsort Komenda. Dort richtete er wie jedes Jahr ein Kriterium aus, das er selbst souverän gewann. Anschließend stellte er sich bei der sogenannten „Pogi Challenge“ einer besonderen Herausforderung: Mehr als 1.000 Hobbyfahrer versuchten, ihm am Krvavec-Anstieg zu entkommen – am Ende gelang dies nur dem Deutschen Frederik Niessen.

Ansonsten steht für den Superstar vor allem Erholung im Fokus. Intensive Trainingseinheiten oder Wettkämpfe ließ Pogacar zunächst bewusst aus. Ganz ohne Radfahren ging es allerdings nicht und so überraschte Pogacar mit einer ungewöhnlichen Vorbereitung.

Er schnappte sich sein Gravelbike und erkundete die unbefestigten Straßen und Waldwege rund um Komenda. Am Montag absolvierte er eine lockere 62-Kilometer-Tour, nur einen Tag später wiederholte der 27-Jährige seine Ausfahrt und legte knapp 40 Kilometer zurück.

Allerdings sind Pogacars aktuelle Gravel-Ausflüge keineswegs nur reine Freizeitbeschäftigung. Die diesjährige Vuelta beinhaltet nämlich auch Abschnitte auf unbefestigtem Untergrund.

Besonders die sechste Etappe nach Castello könnte zum Schlüssel werden: Der Anstieg zum Puerto El Bartolo ist 9,1 Kilometer lang, im Schnitt 7,1 Prozent steil und enthält rund vier Kilometer Schotterpassagen. In einigen Abschnitten steigt die Steigung sogar auf über 16 Prozent an.

Es wird erst seine zweite Teilnahme an der Spanien-Rundfahrt sein. Bei seinem Debüt im Jahr 2019 wurde er Dritter der Gesamtwertung und gewann drei Etappen – das rote Trikot blieb ihm bislang jedoch verwehrt.

Das soll sich ab dem 22. August ändern, wenn Pogacar der neunte Fahrer werden will, der alle drei Grand-Tours gewinnen konnte.

Pogacar verzichtet bei Tour auf sündhaft teures „Spielzeug“

Mit dem Startschuss der 113. Tour de France am 04. Juli in Barcelona werden wieder mehr Blicke als ohnehin schon auf Ausnahmefahrer Tadej Pogacar gerichtet sein. Ein kleines, sündhaft teures „Spielzeug“ werden die Fans beim Slowenen auf der Reise durch Frankreich aber nicht zu sehen bekommen.

Kurz vor dem Beginn der 113. Tour de France hat der viermalige Sieger Tadej Pogacar einen neuen Werbedeal abgeschlossen. Der UAE-Kapitän ist das neue Gesicht einer Partnerschaft zwischen Radfabrikant Colnago und Luxusuhren-Hersteller Richard Mille.

Beide Konzerne haben gemeinsam mit Pogacar eine neue Uhr präsentiert, die so genannte „RM 64 01 Tourbillon Colnago“, eine streng limitierte Luxusvariante, die sich nur wenige Auserwählte leisten können. Jedes der 50 Exemplare kostet rund 860.000 Euro.

Obwohl sich Pogacar die Uhr leisten könnte und das Gesicht der neuen Werbekampagne ist, wird er sie bei der Tour de France nicht tragen. Colnago teilte mit, dass dies aus Gründen der persönlichen Sicherheit so entschieden wurde. Da die Tour-Stars vor allem vor und nach den Etappen regelmäßig in unmittelbaren Fan-Kontakt kommen, eine nachvollziehbare Entscheidung.

Pogacar und Richard Mille verbindet mittlerweile eine fünfjährige Partnerschaft. Der Uhrenhersteller ist eine feste Größe in der Sport-Welt und arbeitet auch mit Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Sportarten zusammen. Zum Team gehören unter anderem die Formel-1-Stars Lando Norris und Charles Leclerc, Olympiasiegerin Ester Ledecka, Fußball-Legende Didier Drogba, Tennis-Ikone Rafael Nadal, die deutsche Reiterin Jessica von Bredow-Werndl und viele mehr.

Pogacar trug in der Vergangenheit bei vielen Rennen eine Richard-Mille-Uhr, nicht immer ging dabei alles gut. Als er im vergangenen Jahr bei Paris-Roubaix stürzte, schnitt die Uhr die Haut an seinen Handgelenken auf und sorgte für blutige Handschuhe.

Konkurrenten legen bitteres Pogacar-Geständnis ab

Bei der Tour de Suisse hat Tadej Pogacar einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er der Mann ist, den es zu schlagen gilt. Zwei Konkurrenten haben den Slowenen in der Schweiz ganz genau unter die Lupe nehmen können – und konnten kaum glauben, was sie sahen.

Die beiden niederländischen Radprofis Koen Bouwman (Jayco AlUla) und Sam Oomen (Lidl-Trek) haben der Konkurrenz von Tadej Pogacar nur wenig Hoffnungen auf einen Einbruch des Slowenen bei der anstehenden Tour de France gemacht. In welcher Verfassung sich der UAE-Kapitän bei der vergangenen Tour de Suisse präsentierte, hat sie regelrecht schockiert.

„Ein Team, vor allem ein Fahrer, steht so weit über dem Rest, dass man es kaum begreifen kann, wie hart er fährt. […] Ich weiß nicht, ob Ernüchterung das richtige Wort ist, aber es ist das erste Wort, das mir dazu einfällt“, staunte Oomen im „In het Peloton“-Podcast über die Leistungsfähigkeit Pogacars.

Der Niederländer weiter: „An einem Tag habe ich oft gehört, dass viele Fahrer sich gegenseitig gesagt haben: ‚So etwas habe ich noch nie erlebt‘.“

Bouwman versuchte derweil, die Überlegenheit des Slowenen mit einem greifbaren Beispiel zu erklären. „Jeder regionale Radklub hat ein lokales Sommerrennen. In meiner Gegend gibt es auch eins. Dort fahre ich gegen Amateure, die Landschaftsgärtner sind und von 7 Uhr morgens bis 17 Uhr abends Fliesen verlegen oder Bäume fällen.“

Obwohl er vor dem Rennen gegen die Amateure meist schon drei bis vier Stunden im Sattel gesessen hat, „kann ich sie abhängen, wenn ich will“. Genau dieses Gefühl müsse auch Pogacar in den ProTour-Rennen haben, mutmaßte Bouwman.

„Ich glaube wirklich, dass der Unterschied zwischen den Amateuren und mir genauso groß ist wie der Unterschied zwischen Pogacar und mir“, stellte er ernüchtert fest. „Der Unterschied ist so unglaublich, dass man es nicht mal beschreiben kann.“

Lipowitz mit deutlichen Worten zu Pogacar

Bei der Tour de France ruhen die deutschen Hoffnungen auf Shootingstar Florian Lipowitz. Der 25-Jährige will beim Radsport-Highlight einen neuen Anlauf starten, Dominator Tadej Pogacar in Bedrängnis zu bringen. Noch sieht er den Slowenen allerdings ein gutes Stück voraus.

„Er ist einfach ein Allrounder. Er ist schnellkräftig, stark an langen Anstiegen. Es gab lange keinen Tour-de-France-Sieger mehr, der gleichzeitig die Klassiker so stark fahren kann. Er hat kaum Schwächen“, schwärmte Lipowitz im „SID“-Interview von Tadej Pogacar.

Dennoch sieht der Deutsche unter gewissen Umständen eine Chance: „Vielleicht ist das Einzige, seine Attacken am Berg zu überstehen und wieder an sein Hinterrad zu kommen.“

Dafür brauche man freilich „die gleichen Beine wie Pogacar – und ich glaube, da ist er aktuell jedem noch ein oder zwei Schritte voraus.“

In rund vier Wochen wird die Tour de France mit dem Grand Départ in Barcelona und damit die Jagd nach dem Gelben Trikot eröffnet – mit Lipowitz im erweiterten Favoritenkreis.

Ob es für den Vorjahresdritten wieder für einen Podestplatz reicht, hängt auch von der Konkurrenz ab. Der Deutsche hat ein vielversprechendes Frühjahr hinter sich, bei drei einwöchigen Rundfahrten erzielte er Top-3-Ergebnisse. Zur Wahrheit gehört indes: Gewonnen hat er keine.

„Wenn man die Rennen dieses Jahr anschaut, gibt es drei Fahrer, die definitiv besser waren“, räumte Lipowitz ein. Jedem der drei Hauptrivalen Pogacar (Tour de Romandie), Jonas Vingegaard (Katalonien-Rundfahrt) und Paul Seixas (Baskenland-Rundfahrt) musste er sich geschlagen geben.

Umso motivierter ist Lipowitz, es bei der anstehenden Tour (noch) besser zu machen. „Ich glaube, dass ich als Fahrer dieses Jahr reifer bin und besser mit dem Druck umgehen kann“, hob er hervor.

Auffällig: Der Shootingstar vom Team Red Bull-Bora-hansgrohe tritt mit spürbar gewachsenem Selbstvertrauen auf. Nicht mehr der Underdog zu sein, scheint Lipowitz keineswegs zu hemmen.

Pogacar mit Mega-Lob für Radsport-Wunderkind

Der nächste Triumph von Tadej Pogacar sorgte am Sonntag nicht nur sportlich für Schlagzeilen, sondern auch wegen einer klaren Ansage zur Zukunft des Radsports.

Nach seinem vierten Sieg beim Radsport-Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich richtete der Weltmeister den Blick auf seinen jungen Rivalen Paul Seixas, der ihm in Belgien einen heißen Fight geliefert hatte.

Der erst 19-Jährige hatte als einziger Fahrer Pogacars entscheidender Attacke an der legendären Côte de la Redoute folgen können. Erst am letzten Anstieg musste er abreißen lassen, sicherte sich aber einen sensationellen zweiten Platz, nur 45 Sekunden hinter dem aktuellen Radsport-Dominator.

Für Pogacar ist klar: Hier wächst etwas Großes heran. „Wir werden weiter hart arbeiten, in den nächsten Jahren so viel wie möglich zu gewinnen, bis er alle zerstört“, erklärte der Slowene nach dem Rennen in Richtung des jungen Franzosen.

Besonders beeindruckt zeigte sich der vierfache Tour-de-France-Sieger von der Reife des Talents: „Dass Paul bereits mit 19 Jahren in einem so großen Feld auf so hohem Niveau mithalten kann, motiviert alle anderen, weiter daran zu arbeiten, sich zu verbessern.“

Trotz seines klaren Sieges sieht Pogacar in Seixas bereits einen kommenden Herausforderer. Mit Blick auf die körperliche Entwicklung erklärte er: „Normalerweise ist der Körper physisch zwischen 26 und 30 Jahren in Bestform.“ Pogacar stellt also die These auf, dass der Youngster noch lange nicht an seinem Leistungsmaximum angekommen ist.

Auch Seixas selbst zeigte sich nach dem Rennen selbstkritisch und voller Respekt für Superstar Pogacar: „Das ist offensichtlich. Ich muss mich einfach verbessern, aber wir sehen ja, auf welchem Niveau er ist – es ist extrem schwer, ihm zu folgen. Er ist der größte Fahrer der Geschichte.“

Ob es schon bald zum großen Duell bei der Tour de France kommt, ist noch offen. Während Pogacar seinen fünften Gesamtsieg anpeilt, steht ein Debüt von Seixas noch zur Diskussion.

Pogacar verblüfft Ex-Profi: „Da sieht man den Unterschied“

Obwohl Tadej Pogacar bei Paris-Roubaix eine seiner seltenen Niederlagen kassierte, zeigte der Slowene erneut, dass er auch den Kopfstein-Klassiker gewinnen kann – wie auch jedes andere Rennen, an dem er teilnimmt. Ein ehemaliger französischer Radsport-Held ist überzeugt: Der viermalige Tour-de-France-Sieger ist der beste Fahrer, den die Welt je gesehen hat.

Arnaud Démare weiß ganz genau, was es braucht, um bei Paris-Roubaix ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. 2016 gewann der heute 34-Jährige den Klassiker, zwei Jahre später kam er zudem als Dritter im Velodrom über die Linie. Damit hat er Tadej Pogacar etwas voraus, denn der Slowene wurde bei seinen bisherigen zwei Teilnahmen jeweils „nur“ Zweiter.

Allein, dass sich Pogacar der Herausforderung in der „Hölle des Nordens“ stellt, nötigt Démare allerdings schon großen Respekt ab. „Dem Kerl wird so langweilig, dass er sich selbst sagt: ‚Hey, ich starte bei Roubaix, weil ich neue Herausforderungen brauche.‘ Er muss sich selbst herausfordern“, sagte der ehemalige Profi im „RMC Sport“-Interview.

Der Sieg Pogacars bei Paris-Roubaix, davon ist Démare überzeugt, ist nur eine Frage der Zeit. „Was er schon jetzt geschafft hat, ist gigantisch. An irgendeinem Punkt wird er auch das endlich abhaken“, versicherte der Franzose, der beim besten Fahrer der Neuzeit keine bzw. nur eine kleine Schwäche erkennt.

„Er ist so stark, dass er in jedem Bereich gut ist, obwohl er im Sprint von Wout van Aert geschlagen wurde. Ihm fehlt der Punch eines Sprinters, wenn man überhaupt sagen kann, dass ihm was fehlt“, sieht Démare zumindest dort noch Raum für Verbesserungen bei Pogacar.

Das, so gab der Franzose zu, ist jedoch Kritik auf allerhöchstem Niveau. „Ich denke, dass Pogacar der beste Radsportler der Geschichte ist“, verneigte er sich vor dem viermaligen Tour-Sieger. Zu sehen sei dies in den Rennen immer wieder. „Man fährt Vollgas und denkt darüber nach, wie man sich für einen Anstieg positionieren sollte und er ist komplett entspannt. In diesem Momenten versteht man den Unterschied.“

Dass Pogacars Dominanz eine Schattenseite hat, findet allerdings auch Démare. „Es gibt Momente, in denen man schon weiß, wie es enden wird. Das verändert die Art und Weise, wie die Menschen zuschauen.“ Auch die anderen Fahrer haben dieses Gefühl, so der Ex-Profi: „Wenn er am Start steht, fährt man oft nur um den zweiten Platz.“

Lipowitz „nur einen Hauch“ hinter Pogacar und Vingegaard?

Obwohl Florian Lipowitz in der Vorbereitung auf die Katalonien-Rundfahrt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, beendete er das traditionsreiche Rennen auf einem starken 3. Platz im Gesamtklassement. TV-Experte Jens Voigt sieht den 25-Jährigen „nur noch einen Hauch“ hinter den Ausnahmekönnern Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard.

„Ich bin völlig begeistert, wie er fährt und wie er auch den ganzen Trubel seit seinem dritten Platz bei der Tour de France wegsteckt. Viele deutsche Fans haben ja die Hoffnung, dass Florian der nächste schwarz-rot-goldene Toursieger wird. Es ist faszinierend, wie er damit umgeht, wie bodenständig er geblieben ist“, schwärmte Jens Voigt im „Eurosport“-Interview von Florian Lipowitz.

Bei der traditionsreichen Katalonien-Rundfahrt stellte die deutsche Rad-Hoffnung seine gute Frühform eindrucksvoll unter Beweis, behauptete am Sonntag auf der siebten und letzten Etappe in Barcelona den dritten Gesamtplatz und hinterließ rund drei Monate vor dem Start der Tour de France an gleicher Stelle einen starken Eindruck. Ist auch bei der Tour erneut ein Podestplatz drin?

„Das ist die Kardinalfrage“, antwortete Voigt, der hinterherschob: „Ob bei der Tour im letzten Jahr oder jetzt in Katalonien: Wenn Tadej Pogacar oder Jonas Vingegaard attackiert haben, war Lipowitz einer der wenigen Fahrer, die immer versucht haben, mitzugehen.“ Lipowitz sei inzwischen „nur noch einen Hauch“ hinter den beiden Superstars, so der Ex-Profi.

Gerade in den Bergen könne der 25-Jährige mit den beiden Ausnahmekönnern mithalten, ist sich der TV-Experte sicher, der bei Lipowitz aber noch Luft nach oben sieht: „Einerseits kann er das Zeitfahren optimieren, indem er aerodynamischer fährt und viel Zeit auf der Zeitfahrmaschine verbringt, damit sich der Körper daran gewöhnt.“ Auch ein „explosiver Antritt“ fehle ihm noch.

„Lipowitz versucht über die „Dieselmotormethode“ die beiden langsam wieder zurückzuholen. Beim ersten brutalen Antritt kann er nicht mitgehen. Wenn er mitgeht, würde er schnell in den roten Bereich kommen und bräuchte dann zehn Minuten, um sich wieder zu erholen. Die harten Antritte und Rhythmuswechsel – da haben Vingegaard und Pogacar Vorteile“, analysiert Voigt weiter.

Um bei der Tour mit den beiden Top-Favoriten mithalten zu können, müsse der Deutsche aber „nur noch kleine feine Schräubchen“ drehen, so der 54-Jährige.

Pogacar macht sogar Eddie Merckx „sprachlos“

Weder die Konkurrenz noch ein Sturz konnten Tadej Pogacar auf dem Weg zu seinem ersten Triumph bei Mailand-Sanremo stoppen. Radsport-Legende Eddie Merckx zeigte sich von der Vorstellung des Slowenen anschließend begeistert – und sprachlos.

Er ist und bleibt der Beste – und nahezu unschlagbar: Tadej Pogacar hat bei Mailand-Sanremo seine ganze Klasse aufblitzen lassen und den Klassiker trotz eines Sturzes in der heißen Phase des Rennens gewonnen. Eddie Merckx, einst ähnlich dominant wie Pogacar heute, konnte darüber nur staunen.

„Er hat mich sprachlos gemacht“, sagte der „Kannibale“ nach dem Rennen im „Eurosport“-Interview. „Habe ich erwartet, dass er auf diese Art gewinnen würde? Ganz ehrlich: Nein. Ich denke, das kann als eine seiner größten Leistungen betrachtet werden“, schwärmte der Belgier.

Was Merckx ganz besonders an Pogacars Sieg beeindruckte, war, dass er ihn in einem mehr oder minder klassischen Sprint einfuhr. Diesen Sprint fuhr der UAE-Kapitän nicht irgendwie, sondern von vorne. Eine immense Leistung, wenn man bedenkt, dass Pogacar nicht nur ein Sturz, sondern auch die anschließende Aufholjagd in den Knochen steckte.

„Er hat den Sprint von vorne begonnen, mit der gleichen Stärke und Überzeugung wie Mathieu van der Poel im letzten Jahr. Wenn man so sprintet und keiner vorbeifahren kann, gibt es keinen Zweifel daran, wer der Stärkste ist“, staunte Merckx über die letzten Meter des späteren Siegers.

Geht es nach der belgischen Legende, war der Sieg des besten Fahrers der Gegenwart nicht nur verdient, sondern auch überfällig. Es sei „seltsam“, dass Pogacar Mailand-Sanremo nicht schon viel früher gewonnen habe, sagte Merckx. Spätestens jetzt sei aber endgültig klar, „dass er kein Limit hat“, kam Merckx aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus.

Lipowitz enthüllt Attacke-Plan für Tour de France

Nach Rang drei bei der Tour de France 2025 sind die Erwartungen an Deutschlands Rad-Star Florian Lipowitz in diesem Jahr ungleich höher. Für die große Schleife durch Frankreich legt sich Lipowitz einen detaillierten Plan zurecht, um im Sommer vor allem in einer Kategorie besser zu sein. Außerdem spricht er über das Verhältnis zu Co-Kapitän Remco Evenepoel.

Florian Lipowitz arbeitet dieses Jahr noch bewusster auf die Tour de France hin als im Vorjahr. Weniger Renntage, mehr Training, lautet die Devise.

Im Vorjahr sei sein Programm (unter anderem mit Paris-Nizza und der Dauphiné Libéré) „sehr umfangreich gewesen“, wegen seiner starken Leistungen bei den Etappenrennen (Zweiter und Dritter) „kam durch die gestiegene Aufmerksamkeit auch viel zusätzlicher Stress“, erläuterte Lipowitz in der „Sport Bild“.

Und weiter: „Mit Blick auf die Tour wollten wir es dieses Jahr etwas anders und optimaler gestalten. Deshalb fahre ich ein ruhigeres Programm, damit ich auch nach der Tour noch genug Energie habe, um die Saison stark zu Ende zu fahren.“

Konstantes Training sei für ihn auf dem Weg nach Frankreich „das Wichtigste“, so der 25-Jährige, der besonders an einer Sache „gezielt“ arbeitet: „Dass ich bei kürzeren Efforts stärker werde und sie besser verkrafte. Dort sehen wir aktuell das größte Entwicklungspotenzial. Bei der reinen Schwellenleistung kann ich schon gut mithalten, aber in den kürzeren, intensiveren Bereichen kann ich mich noch verbessern. Darauf legen wir im Training jetzt einen größeren Fokus – besonders, je näher die Tour rückt.“

Heißt: Lipowitz will bei kurzen Attacken am Berg stärker werden – der Domäne von Rad-König Tadej Pogacar, der die Konkurrenz immer wieder mit brutalen Zwischenspurts im roten Bereich abhängt.

Lipowitz befindet sich zurzeit im Höhen-Trainingslager auf Teneriffa, wo er auch mit Topstar Remco Evenepoel trainiert. Mit dem Belgier (Vuelta-Sieger 2022, Tour-Dritter 2024) soll er bei Red Bull-Bora-hansgrohe eine Doppelspitze bilden. „Bisher passt es zwischen uns sehr gut, und wir verstehen uns gut auf und neben dem Rad“, sagte Lipowitz über das Verhältnis der Co-Kapitäne.