Hitze-Zoff: Tour-Stars gehen auf die Barrikaden

Die ersten Etappen der Tour de France 2026 fanden unter extremen Bedingungen statt. Die enorme Hitze setzt den Fahrern schwer zu. Aus dem Peloton werden immer mehr kritische Stimmen laut.

Zahlreiche Fahrer haben die extremen Bedingungen beklagt, unter denen die ersten Etappen der diesjährigen Tour de France ausgetragen wurden. Auf jedem einzelnen Tagesabschnitt wurde die 40-Grad-Marke überschritten. Das ist in den Augen vieler ein echtes Gesundheitsrisiko.

„Ich weiß nicht, ob es sicher ist, aber es ist ganz bestimmt nicht gesund“, beschwerte sich unter anderem Matteo Trentin gegenüber „Sporza“ über die außergewöhnlichen Umstände, unter denen das Rennen bisher stattfindet. „Wenn ich ein normaler Typ wäre, würde ich zu dieser Tageszeit nicht vor die Tür gehen“, ergänzte er.

Benjamin Thomas leidet ebenfalls unter den extremen Temperaturen. „Das kann die Gesundheit der Fahrer beeinflussen. Sobald die Temperatur auf über 40 Grad steigt, wird es wirklich gefährlich“, warnte er. Zustimmung erhielt das Duo unter anderem auch von Tadej Pogacar, der laut eigener Aussage vor dem Start der vierten Etappe unter starken Kopfschmerzen litt: „Da dachte ich mir, das wird ein langer Tag werden.“

Um den Fahrern das Leben während des Rennens zu erleichtern, haben die Verantwortlichen bereits das Reglement für die Verpflegung angepasst. Diese Änderung trat vor der vierten Etappe in Kraft. Für Trentin viel zu spät.

„Wir haben schon an den drei Tagen davor danach gefragt“, sagte er. Dass die Organisatoren so lange warteten, um die Entscheidung durchzusetzen, stört ihn. „Sie sollten ihre Klimaanlage im Auto ausnahmsweise mal ausschalten. Dann werden sie verstehen, was wir durchmachen.“

Ein Problem, das die Tour-Direktion hat: Der Zeitplan für die Etappen kann nicht einfach über den Haufen geworfen werden. Es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, eine Etappe schon morgens bei erträglichen Temperaturen zu starten. Zum einen spielen die TV-Rechteinhaber da nicht mit, da sie ihre hohen Einschaltquoten erst am Nachmittag generieren. Und zum anderen bringt eine Tour-Etappe auch zahlreiche Einschränkungen für die Bewohner an der Strecke mit sich.

„Es gibt strikte Timeslots. Manchmal ist auch der Zugang zu Krankenhäusern temporär eingeschränkt. Das erfordert alle möglichen Arrangements. Wir können nicht einfach sagen, wir kommen eine oder auch drei Stunden früher vorbei“, schilderte Tour-Technikdirektor Thierry Gouvenou der Zeitung „Het Nieuwsblad“ das Problem.

Fahrer packt aus: So brutal ist Paris-Roubaix wirklich

Radprofi Benjamin Thomas erlebte in der Hölle des Nordens sein blaues Wunder. Der Bahnrad-Olympiasieger ging am Wochenende erstmals bei Paris-Roubaix an den Start. Die Strecke kannte er nicht. Was er erlebte, hatte er so nicht für möglich gehalten.

Für Benjamin Thomas endete seine erste Paris-Roubaix-Teilnahme immerhin mit einem kleinen Erfolgserlebnis: Anders als 36 andere Fahrer, kam er im Ziel an. Dass er am Ende einen Rückstand von über 24 Minuten auf Sieger Wout van Aert hatte und dem Besenwagen nur knapp entkam, spielte für den 30-jährigen Franzosen nur eine Nebenrolle.

Was das Rennen für ihn so schwierig machte: Er wurde von seinem Team ins kalte Wasser geworfen. Weil andere Cofidis-Fahrer ihren Start absagen musste, rückte Thomas nach. „Ich kannte keinen der Kopfsteinpflaster-Abschnitte und habe nicht mal die Streckenbesichtigung gemacht“, verriet er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „AFP“.

Alles, was er hatte, waren die Ratschläge seine Teamkollegen. „Sie haben mir gesagt: Bleib in der Mitte der Kopfsteinpflaster und lass zwei Meter Sicherheitsabstand nach vorne.“ Das beherzigte er auch, leichter wurde das Rennen für den Bahnrad-Olympiasieger von Paris dadurch aber nicht.

Zwei Mal habe er sein Glück mit einer Attacke versucht, sagte der 30-Jährige: „Aber das Rennen war so schnell, dass es fast unmöglich war, aus dem Peloton rauszukommen.“ Spätestens mit Beginn der ersten Kopfsteinpflaster-Passage war der Debütant dann endgültig aufgeschmissen. Die legendäre Passage in Arenberg habe ihm dann regelrecht Angst eingejagt.

„Als ich den Zustand gesehen habe, dachte ich: Wie kommen Räder hier in einem Stück raus? Ich hatte das Gefühl, mein Rad würde in zwei Teile zerbrechen. Alle zwei Meter gab es einen Krater. Es gibt nicht einen Kopfstein, der gerade ist. Es ist ein Mienenfeld“, gab er zu, durchaus Panik gehabt zu haben.

Letztlich haben er und die anderen Fahrer sogar noch Glück gehabt, denn am Sonntag war es immerhin trocken: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn es regnet.“