Radprofi Benjamin Thomas erlebte in der Hölle des Nordens sein blaues Wunder. Der Bahnrad-Olympiasieger ging am Wochenende erstmals bei Paris-Roubaix an den Start. Die Strecke kannte er nicht. Was er erlebte, hatte er so nicht für möglich gehalten.
Für Benjamin Thomas endete seine erste Paris-Roubaix-Teilnahme immerhin mit einem kleinen Erfolgserlebnis: Anders als 36 andere Fahrer, kam er im Ziel an. Dass er am Ende einen Rückstand von über 24 Minuten auf Sieger Wout van Aert hatte und dem Besenwagen nur knapp entkam, spielte für den 30-jährigen Franzosen nur eine Nebenrolle.
Was das Rennen für ihn so schwierig machte: Er wurde von seinem Team ins kalte Wasser geworfen. Weil andere Cofidis-Fahrer ihren Start absagen musste, rückte Thomas nach. „Ich kannte keinen der Kopfsteinpflaster-Abschnitte und habe nicht mal die Streckenbesichtigung gemacht“, verriet er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „AFP“.
Alles, was er hatte, waren die Ratschläge seine Teamkollegen. „Sie haben mir gesagt: Bleib in der Mitte der Kopfsteinpflaster und lass zwei Meter Sicherheitsabstand nach vorne.“ Das beherzigte er auch, leichter wurde das Rennen für den Bahnrad-Olympiasieger von Paris dadurch aber nicht.
Zwei Mal habe er sein Glück mit einer Attacke versucht, sagte der 30-Jährige: „Aber das Rennen war so schnell, dass es fast unmöglich war, aus dem Peloton rauszukommen.“ Spätestens mit Beginn der ersten Kopfsteinpflaster-Passage war der Debütant dann endgültig aufgeschmissen. Die legendäre Passage in Arenberg habe ihm dann regelrecht Angst eingejagt.
„Als ich den Zustand gesehen habe, dachte ich: Wie kommen Räder hier in einem Stück raus? Ich hatte das Gefühl, mein Rad würde in zwei Teile zerbrechen. Alle zwei Meter gab es einen Krater. Es gibt nicht einen Kopfstein, der gerade ist. Es ist ein Mienenfeld“, gab er zu, durchaus Panik gehabt zu haben.
Letztlich haben er und die anderen Fahrer sogar noch Glück gehabt, denn am Sonntag war es immerhin trocken: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, wenn es regnet.“