Schludriger BVB lässt Kehl und Kovac toben: „Das geht nicht“

Trotz langer Überzahl tut sich Borussia Dortmund beim 1. FC Köln enorm schwer. Dank der Treffer von Serhou Guirassy (16.) und Nationalspieler Maximilian Beier (60.) sichert sich der BVB zwar drei wichtige Punkte im Kampf um die Champions-League-Plätze, zufrieden mit der Leistung beim glücklichen Zittersieg sind Cheftrainer Niko Kovac und Sportchef Sebastian Kehl aber nicht.

„Ich mache es relativ kurz: Außer den drei Punkten, mit denen ich zufrieden bin, kann ich nicht zufrieden sein. Vor allem die erste Halbzeit, aber auch die zweite Halbzeit – mit einem Mann mehr. Das war es“, sagte der sichtlich bediente Niko Kovac nach dem 2:1-Sieg beim 1. FC Köln am Samstagabend auf der anschließenden Pressekonferenz.

Seine Spieler hatten nach dem Platzverweis gegen Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey (45.+2) anscheinend gedacht, „heute kann man mal ein bisschen weniger machen“, kritisierte der 54-Jährige: „Das geht nicht“. Dass der BVB trotz Überzahl in der langen Nachspielzeit fast noch den Ausgleich kassierte, löste bei den Westfalen Rätselraten aus.

„Diese Frage haben wir uns direkt nach Spielschluss auch gestellt“, antwortete Sportdirektor Sebastian Kehl auf die Frage, wie sein Team den Dreier fast noch herschenken konnte: „Wir müssen daraus sehr, sehr schnell lernen. Es ist die Hauptaufgabe von allen Beteiligten, genau das nicht zuzulassen. Wir sind ein Mann mehr. Dass wir so noch in die Bredouille kommen und das Spiel vielleicht sogar noch mal kippen kann, darf uns einfach nicht passieren.“

Noch in den Katakomben des Müngersdorfer Stadions sei es zur Aussprache gekommen, so der ehemalige Mittelfeldspieler weiter: „Wir haben es sehr intensiv mit der Mannschaft diskutiert, um ein Gefühl dafür zu bekommen, warum wir nach dem 2:0 nicht noch weiter nach vorne spielen, auf ein drittes oder viertes Tor.“

Durch das 2:3 in der Vorwoche gegen den FC Bayern hat Dortmund mit elf Zählern Rückstand wohl die Minimalchance auf den Titel verspielt. Da der BVB auch in der Champions League und im DFB-Pokal ausgeschieden ist, droht ein zähes Saisonende für die Schwarzgelben.

Kovac verspricht freie Tage – Matthäus warnt

Nach dem Kantersieg von Borussia Dortmund gegen Union Berlin (6:0) war beim BVB die Erleichterung in jedem Winkel des Westfalenstadions zu spüren. Neu-Coach Niko Kovac gönnte seinen Stars gleich zwei Tage Pause. Lothar Matthäus jedoch warnte die Schwarz-Gelben vor allzu viel Euphorie.

Sechs zu Null für den BVB: So stand es beim Abpfiff auf der Anzeigetafel – und rund 80.000 Herzen im Stadion sowie das Vielfache davon vor den TV-Bildschirmen machten einen großen Hüpfer: Der erste Bundesliga-Sieg für Niko Kovac mit den Dortmundern. Und was für einer.

„Es fühlt sich gut an, natürlich bin ich glücklich. Die ersten 15 Minuten lief es noch nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Dann haben sich die Jungs heute wirklich in einen Rausch gespielt“, freute sich Kovac bei „Sky“, der zuvor gegen Stuttgart (1:2) und Bochum (0:2) noch verloren hatte.

„Das 1:0 war der Brustlöser. Heute haben wir das Glück, dass der abgefälschte Ball rein geht“, bilanzierte der Kroate und fügte an: „Wir werden es genießen und uns ein Glas Rotwein gönnen. Die Jungs bekommen zwei Tage frei und am Dienstag legen wir wieder los.“

Die beiden Viererpacker Serhou Guirassy (Tore) und Pascal Groß (Vorlagen) seien „Weltklasse“ gewesen, lobte Kovac die beiden herausragenden Männer des Spiels, die von sport.de naturgemäß die Note 1.0 bekamen.

Alles eitel Sonnenschein beim BVB also? Nicht ganz. Lothar Matthäus warnte die Schwarz-Gelben bei „Sky“, man müsse „dieses Spiel richtig einordnen“. „Es ist ein großer Schritt, aber sie sind noch nicht da, wo sie hin wollen“, erklärte der TV-Experte.

„Niko Kovac kennt diese Situationen aus seiner langen Karriere, er weiß, dass es sich auch wieder in die andere Richtung drehen kann. Er wird heute nicht tanzend am Tisch stehen, sondern Fehler und die richtigen Worte finden, um die Mannschaft weiter zu stabilisieren“, sagte Matthäus voraus.

Dementsprechend müssten sich auch die unterlegenen Berliner nicht grämen. „Die Dortmunder dürfen das Ergebnis nicht überbewerten, die Unioner dürfen nicht draufhauen“, so Matthäus.