Lidl-Star Ayuso übernimmt Führung bei Paris-Nizza

Das britische Team Ineos Grenadiers um den Tour-Vierten Oscar Onley hat das Mannschaftszeitfahren bei Paris-Nizza gewonnen. Am dritten Tag der traditionellen Fernfahrt setzte sich Ineos nach 23,5 km von Cosne-Cours-sur-Loire nach Pouilly-sur-Loire mit zwei Sekunden Vorsprung auf das deutsche Team Lidl-Trek durch. Lidl-Kapitän Juan Ayuso (Spanien) übernahm die Gesamtführung.

Für den Etappensieg war die Zielzeit des ersten Fahrers jeder Mannschaft maßgeblich. In die Gesamtwertung floss hingegen die tatsächliche Fahrtzeit jedes Profis ein.

Nach diesem Modus wird auch das Team-Zeitfahren beim Tour-Auftakt am 4. Juli ausgetragen, was taktisch einige Möglichkeiten bietet. Ayuso kam am Dienstag nach einem starken Endspurt mit klarem Vorsprung auf seine Teamkollegen um Lennard Kämna ins Ziel – die Lidl-Taktik ging damit auf.

Platz drei ging an das Team Decathlon vor der Mannschaft Jumbo-Visma um den zweimaligen Toursieger Jonas Vingegaard. Fünfter wurde das zweite deutsche Team Red Bull-Bora-hansgrohe, nur zu Platz sechs reichte es für das Starensemble des UAE Team Emirates-XRG mit dem deutschen Klassiker-Ass Nils Politt.

In der Gesamtwertung sortierten sich dicht hinter Ayuso die Ineos-Profis Kevin Vauquelin (Frankreich/+2 Sekunden) und Onley (Großbritannien/+3) ein. Vingegaard ist Siebter (+17).

Die vierte Etappe am Mittwoch ist mit rund 2500 Höhenmetern die bislang anspruchsvollste und wird mit einer Bergankunft nach 195 km in Uchon entschieden, die allerdings mit durchschnittlich 4,5 Steigungsprozent auf 4,5 km Länge nicht allzu selektiv ist. Die Fernfahrt endet am 15. März nach acht Etappen in Nizza.

Teamkollege über Pogacar: „Für ihn ist alles leichter“

Als Teamkollege von Tadej Pogacar weiß Juan Ayuso ganz genau, was nötig ist, um der beste Radsportler der Welt zu werden. Das genau ist auch das Ziel des 22-Jährigen. Im Moment ist das für ihn jedoch unerreichbar, wie er offen zugibt – weil Pogacar einfach nicht zu schlagen ist.

Schon in jungen Jahren hat Juan Ayuso bewiesen, dass er das Zeug dazu hat, ein überaus erfolgreicher Radsportler zu werden. Bei der Vuelta 2022 wurde der UAE-Fahrer Dritter, ein Jahr später holte er bei der Spanien-Rundfahrt Platz vier. Trotz dieser bemerkenswerten Resultate weiß er, dass er sich noch in vielen Bereichen verbessern muss, wie der Spanier in einem Beitrag für „Wieler Revue“ schrieb.

„Ich will ein besserer Kletterer werden, um die Lücke zu Fahrern wie Jonas Vingegaard, Remco Evenepoel und Primož Roglič zu schließen. Und nein, ich werde hier nicht Pogacar erwähnen. Wenn ich sage, dass ich besser als er sein will, wird sich die Presse darauf stürzen“, scherzte der Spanier.

Natürlich sei es sein Ziel, irgendwann der beste Fahrer der Welt zu werden. Eines Tages so gut sein, wie es Pogacar „jetzt ist. Aber damit wir uns nicht missverstehen: Ich betrachte ihn nicht als Rivalen. Er ist der Mensch, der den Maßstab setzt, wo du als Fahrer hin willst“, verneigte sich Ayuso vor seinem alles dominierenden Teamkollegen, zu dem er laut eigener Aussage ein „gutes Verhältnis“ hat.

Der Slowene sei aber der „absolute Leader“ seines Teams. „Für ihn ist alles etwas leichter als für uns. Er ist ganz einfach der beste Fahrer der Welt und lässt alles einfacher aussehen, als es wirklich ist“, schwärmte der junge Spanier von seinem sportlichen Vorbild.

Manchmal werde er von Leuten in seinem Bekanntenkreis gefragt, ob es normal sei, dass Pogacar so gut ist, schrieb Ayuso, der die Antwort direkt mitlieferte: „Ist es nicht. Was er zeigt, erinnert an [Lionel] Messi, wenn er den Ball hat und einfach um jeden herumdribbelt, als ob sie gar nicht da wären. Messi lässt es auch einfach aussehen. Im Radsport ist Tadej wie Messi.“