Böse Titel-Dämonen zerstören wieder den Traum des FC Arsenal

Der FC Arsenal hat die Hand so nah am Champions-League-Titel wie lange nicht. Im Elfmeterschießen aber versagen die Nerven. Die unendliche Geschichte geht weiter.

Da waren sie wieder. Die Unkenrufe. Der Spott sowieso. Der FC Arsenal hat mal wieder in einem entscheidenden Spiel verloren, „gebottled“, sagen die (jungen) Engländer. Unter Druck versagt. Die Memes schreiben sich quasi von selbst. Es ist ein britischer Running Gag. Ein bitterer für alle, die es mit den Gunners halten.

Dabei hatte es doch so gut begonnen. Wenn man sich einen Start in ein Champions-League-Finale malen könnte, dann wohl so. Ein langer, abgeblockter Ball auf Kai Havertz reichte, der DFB-Stürmer peitschte auf der Außenbahn in Richtung Tor und nagelte den Ball erbarmungslos an Keeper Matvei Safonov vorbei unter die Latte. Ein Traumtor. Dazu ein historisches. Kein anderer Deutscher hat jemals in zwei unterschiedlichen Champions-League-Finals getroffen.

1:0 nach sechs Minuten. Für ein defensiv so starkes Team wie die Londoner ein Geschenk. Arsenal stand sehr tief und hatte die favorisierten Pariser weitgehend im Griff. Die Achse um Gabriel und William Saliba funktionierte, selbst Havertz stand kurz vorm eigenen Sechzehner. Dem so famosen wie gefürchteten Pariser Angriffsblock um Khvicha Kvaratskhelia, Ousmane Dembélé und Désiré Doué gelang in der ersten Halbzeit nicht viel. Da nutzten auch 80 Prozent Ballbesitz wenig.

Doch während Arsenal im zweiten Durchgang vergaß, auch nach vorne etwas zu tun (kaum messbare xG-Werte), wurde PSG stärker. Ein Foul von Cristhian Mosquera an Kvaratskhelia zog einen Elfmeter nach sich. Weltfußballer Dembélé behielt die Nerven und erzielte den Ausgleich, die PSG-Fans zündeten die ersten Bengalos an.

Die Entscheidung musste aber krimigerecht im Elfmeterschießen fallen und produzierte auf Seiten von Arsenal in Eberechi Eze und Gabriel zwei tragische Figuren. Letzterer schoss den entscheidenden fünften Elfmeter über das Tor und besiegelte das nächste Trauma der Nord-Londoner.

Denn so dicht am ersehnten Titel waren sie lange nicht, zuletzt 2006. Auch damals gab es viel Drama. Jens Lehmann riss in der 18. Minute in großer Not Barcelona-Star Samuel Eto’o um und kassierte Rot. In Unterzahl kämpften die Gunners wie die Löwen, gingen sogar in Führung. Die Weltklasse von Eto’o, Deco und Ronaldinho reichte aber am Ende für die Katalanen zu einem knappen und glanzlosen 2:1-Sieg.

Diese Arsenal-Stärke muss Bayern fürchten

Am Mittwochabend treffen mit dem FC Bayern und FC Arsenal zwei der formstärksten Teams Europas aufeinander. In einem Aspekt zeigen die Formkurven aber deutlich auseinander. Wird das dem deutschen Rekordmeister zum Verhängnis?

Erster gegen Zweiter. Der Showdown zwischen dem FC Bayern und FC Arsenal in der Champions League (Mittwoch, 21 Uhr, sport.de-Ticker) ist ein echtes Topspiel. Dass die Bayern dort oben stehen, überrascht wohl deutlich weniger als der Aufstieg der Gunners.

Die Londoner dominieren in dieser Saison nicht nur in der Königsklasse, sondern vor allem auch in der heimischen Premier League. Und das mit einem Fußball, der weiter weg ist vom Hurra-Fußball früheren Jahre.

Stattdessen setzt Arsenal auf Taktiken, die man eher bei Mittelklasse-Teams bis Abstiegskandidaten verorten würde. Stabile Defensive zuerst, dann vorne mit Standards effizient scoren. Das ist Arsenal im Spätherbst 2025.

„Wir haben natürlich sehr viele Standardsituationen, also muss man dort ansetzen“, sagte Trainer Mikel Arteta schon vor Wochen analytisch zum Spielstil seines Teams.

Das „Ansetzen“ klappt soweit ziemlich gut. Arsenal hat in der Premier League zehn seiner 24 Tore nach Standards erzielt, dazu kommen zwei Elfmeter. Topscorer sind Eberechi Eze, Viktor Gyökeres, Declan Rice und Leandro Trossard. Eine weitere „Waffe“, erklärte Bayern-Sportvorstand Max Eberl, seien die langen Einwürfe des Teams.

„Es stört immer den Rhythmus des Spiels, das ist das eine“, so Eberl die spezielle Einwurf-Gefahr, „das andere ist: Wenn so eine Bogenlampe reinkommt und rumflippert – je häufiger du das hast, umso größer ist die Gefahr und umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du einen Abschluss hast.“

Ausgedacht hat sich die verschiedenen Varianten bei Standards der Franzose Nicolas Jover. 2021 kam er von Manchester City zu Arsenal und steigerte dort prompt die Erfolgsquote bei den Situationen mit ruhenden Bällen.

Er ist so erfolgreich, dass die Fans mitunter schon mal den Standard-Coach besingen. „Alles ist sehr genau geplant“, verrät Arteta. „Wo wir Zeit reinstecken und was für uns am wertvollsten ist.“

Nun trifft es sich für die Bayern alles andere als gut, dass sie selbst beim Verteidigen von Standards zuletzt schwächelten.