Ravens überraschen mit Quarterback-Entscheidung

Die Baltimore Ravens geben Quarterback Diego Pavia eine Chance. Das NFL-Team aus Maryland lässt den kontrovers diskutierten Spielmacher mittrainieren.

Der Quarterback der Vanderbilt University hat eine Einladung zum Rookie-Minicamp am kommenden Wochenende angenommen. Das berichtete „ESPN-Insider“ Adam Schefter.

Diego Pavia gehört zu den schillerndsten Figuren im College Football. Sportlich bringt er jede Menge mit, er wird aber auch immer wieder kontrovers diskutiert. Trotz einer überragenden Saison blieb er im NFL Draft 2026 unberücksichtigt. Damit ist er der erste Heisman-Finalist seit Jordan Lynch (2014), der nicht gedraftet wurde.

Der 24-Jährige führte Vanderbilt in der vergangenen Saison zu einer historischen 10-3-Bilanz – die erste Spielzeit mit zweistelligen Siegen in der Geschichte des Programms. Mit 29 Touchdown-Pässen und zehn weiteren Scores als Läufer zählte er zu den effektivsten Quarterbacks des Landes.

Pavia wurde als First-Team All-American ausgezeichnet, zum Offensive Player of the Year der SEC gewählt und erhielt zudem den renommierten Johnny Unitas Golden Arm Award.

Kritiker verweisen allerdings auf mehrere Fragezeichen: Neben seinem vergleichsweise hohen Alter und seiner Körpergröße (1,78 m) steht vor allem sein Verhalten abseits des Feldes im Fokus. Nach seiner Niederlage im Heisman-Rennen gegen Fernando Mendoza sorgte Pavia mit einem wütenden Social-Media-Post („F— ALL THE VOTERS“) für Aufsehen, entschuldigte sich später jedoch dafür.

In Baltimore trifft Pavia auf Konkurrenz: Auch Joe Fagnano darf sich im Minicamp beweisen. Die Ravens haben aktuell Bedarf an einem dritten Quarterback, nachdem sie im Draft keinen Spieler auf dieser Position ausgewählt haben.

Sein Spielstil könnte gut ins System passen. Als Dual-Threat-Quarterback würde Pavia das Profil der Ravens-Spielmacher um Lamar Jackson und Backup Tyler Huntley ergänzen.

Für Pavia ist das Minicamp damit eine große Chance, sich trotz aller Zweifel doch noch einen Platz in der NFL zu erarbeiten.

Ravens trennen sich von Skandal-Kicker Tucker

Nach längerem Zögern haben die Baltimore Ravens in der NFL am Montag eine Entscheidung getroffen und sich von ihrem umstrittenen langjährigen Kicker getrennt. Der Nachfolger ist bereits da.

Infolge seiner schlechtesten Saison in der NFL haben die Baltimore Ravens die Reißleine gezogen und sich von Kicker Justin Tucker getrennt. Neben seiner sportlichen Leistungen dürfte aber auch die Tatsache, dass ihm von 16 Masseurinnen sexuelles Fehlverhalten in Massagesitzungen vorgeworfen wird, eine Rolle gespielt haben.

Die Ravens allerdings haben Letzteres nun erneut abgestritten. In einem Statement von General Manager Eric DeCosta heißt es: „Manchmal sind Footballentscheidungen unglaublich schwierig, und dies ist einer dieser Fälle. Angesichts unseres aktuellen Kaders haben wir die schwere Entscheidung getroffen, Justin Tucker freizustellen.“

DeCosta sagte weiter: „Justin hat viele bedeutende und unvergessliche Momente in der Geschichte der Ravens geschaffen. Seine Zuverlässigkeit, sein Fokus, sein Antrieb, seine Widerstandsfähigkeit und sein außergewöhnliches Talent machten ihn über ein Jahrzehnt lang zu einem der besten Kicker der Liga. Wir sind dankbar für Justins viele Beiträge während seiner Zeit bei den Ravens. Wir wünschen ihm und seiner Familie von Herzen alles Gute für dieses nächste Kapitel in ihrem Leben.“

Die Ravens hatten zuvor mehrfach betont, dass sie keine Entscheidung in dieser Personalie bis zum Abschluss einer NFL-Untersuchung der Vorwürfe der 16 Frauen treffen würden. Die Untersuchung der Vorwürfe, die durch einen Bericht von „The Baltimore Banner“ ans Licht kamen, läuft weiter an. Dennoch zogen die Ravens im Draft 2025 mit Tyler Loop bereits früh in Runde 6 einen neuen Kicker, ein Schritt, der das Ende von Tucker in Baltimore bereits angedeutet hatte.

Mehrere Spas in der Region rundum Baltimore haben Tucker seit Bekanntwerden dieser Fälle Hausverbot erteilt und mehrere Masseurinnen weigern sich seither, ihn zu behandeln.

Tucker hat diese Vorwürfe nun bereits zweimal öffentlich zurückgewiesen.

Nicht nur sein angebliches Fehlverhalten gegenüber diesen Frauen sprach für einen Abschied, auch seine zuletzt schwache Leistung in der NFL war kein Bewerbungsschreiben. Tucker verwandelte nur 73,3 Prozent seiner Field-Goal-Versuche 2024, was der mit Abstand schlechteste Wert seiner Karriere ist, in der er insgesamt bei 89,1 Prozent liegt. Das wiederum ist NFL-Rekord.

Tucker kam 2012 als Undrafted Free Agent in die Liga und spielte 13 Saisons für die Ravens.

Ravens-Star kämpft offenbar mit den Folgen des Autounfalls

Mark Andrews ist in der Vorwoche bei einem Autounfall mit dem Schrecken davongekommen. Seitdem fehlt der NFL-Profi allerdings im Training der Baltimore Ravens. Head Coach John Harbaugh gab diesbezüglich nun eine Erklärung ab.

Am Montag räumte Harbaugh ein, dass Andrews seit dem Autounfall mit einer „kleinen Sache“ zu kämpfen habe. Näher ins Detail ging der 61-Jährige dabei nicht. Er war jedoch darum bemüht, die Abwesenheit seines Tight Ends so gut wie möglich herunterzuspielen.

„Wir machen uns im Moment keine Sorgen um ihn“, bekräftigte Baltimore Ravens Coach auf der Website des AFC-North-Vertreters und forderte die Ravens-Gemeinde auf, seinem Beispiel zu folgen. „Machen Sie sich keine Sorgen um Mark. Ihm wird es gutgehen.“

Schon unmittelbar nach dem Crash beruhigte Harbaugh die Gemüter, indem er in Bezug auf Andrews Entwarnung gab. „Es geht ihm gut. Ich glaube, es war ein ziemlich heftiger Unfall. Er hat es schadlos überstanden – nicht eine Schramme“, berichtete der NFL-Routinier damals.

Am vergangenen Mittwoch, dem Tag des Unfalls, blieb Andrews aber bereits dem Training fern. Nach Aussage seines Teams sei diese Pause wiederum vorher eingeplant gewesen.

Inzwischen hat der ehemalige Drittrundenpick drei Einheiten verpasst. Laut Harbaugh besteht allerdings nach wie vor kein Grund zur Beunruhigung. Um dies zu untermauern, verriet der HC, dass Andrews am Mittwoch mit zu den Green Bay Packers reisen wird.

Mit den Cheeseheads werden die Ravens am Donnerstag trainieren, bevor die zwei NFL-Teams am kommenden Samstag im letzten Preseason Game aufeinandertreffen. Ob Andrews gegen die Packers Einsatzzeit bekommt, ist indes fraglich.

Feststeht hingegen, dass der Abschlusstest für den verletzten Center Tyler Linderbaum (Nacken) zu früh kommt. „Er wird in dieser Woche keinerlei Kontaktarbeit leisten“, verkündete Harbaugh, der sich in Bezug auf den Saisonstart in zwei Wochen dennoch optimistisch zeigte. „Er liegt genau im Zeitplan, ungefähr dort, wo wir es einkalkuliert haben.“